Sinti und Roma haben es in Europa schwer – erst im Spätsommer letzten Jahres ließ Frankreichs Präsident Sarkozy mehrere Lager räumen und schickte Hunderte Roma zurück nach Rumänien und Bulgarien. Die EU-Kommissarin Viviane Reding protestierte heftig gegen diese drastische Maßnahme.

Doch auch bei uns in Deutschland sind die „Gens de Voyage“, wie man sie in Frankreich nennt, die „Menschen des fahrenden Volks“ oft unerwünscht. Die Dokumentation „Der Weg der Wanderhuren“ zeichnet den Weg einer jungen Roma namens Puppy nach, die in Dortmund auf den Strich ging und von einem ihrer Freier fast zu Tode geprügelt und aus dem Fenster geworfen wurde. Nach diesem Mordanschlag machte sich Angst unter den Frauen breit.

Bis zum Mai 2011 war der Straßenstrich in Dortmund in der sogenannten „Zuckermeile“, der Ravensberger Straße, legal – doch dann verbot die Stadt die Prostitution dort. Dass die Frauen künftig auf sich gestellt sein würden, das nahm man billigend in Kauf, wie im Film ein Vertreter der Stadt sagt („Das haben wir in Kauf genommen“) – doch die Frauen blieben in Dortmund und arbeiten nun im Verborgenen und manchmal unter großer Gefahr, wie Puppys Schicksal zeigt.

Der Film von Edeltraud Remmel und Esat Mogul zeigt in erschütternden, bewegenden Bildern, in welchem Elend die Roma leben – in Deutschland und in ihrer Heimat Bulgarien. Die beiden Filmemacher kamen der Familie dabei nur bedingt nahe – Remmel und Mogul konzentrierten sich eher auf die Schilderung der sozialen Verhältnisse – was dem Film aber nicht schadet. In Dortmund sind im letzten Jahr beispielsweise 40 sogenannte „Ekel-Häuser“ geschlossen worden – dort hausen die Menschen unter unwürdigen Bedingungen neben Müllbergen auf einfachen Matratzen, für die die Vermieter dennoch 150 EUR pro Person und Monat einstreichen.

In Stolipinovo, dem Ort in Bulgarien, aus dem Puppys Familie stammt, leben viele Familien von dem Geld, das die Frauen aus Deutschland ihnen zuschicken – Geld, das sie auf dem Strich verdienen. Im „Western Union“ – Büro in Stoliponovo kommen 120 Überweisungen pro Tag an – allein aus Dortmund, fanden die beiden Filmemacher vor Ort heraus.

Am Schluss ist Puppy nach zweieinhalb Monaten Krankenhausaufenthalt wieder einigermaßen gesund – zwar wird sie wahrscheinlich Zeit ihres Lebens gelähmt bleiben – aber den Mordanschlag hat sie überlebt. Was aus ihr und ihrer Familie wird, ist jedoch völlig offen – so wie bei vielen Roma, die unbemerkt von uns in Deutschland leben.

WDR, 7. Februar, 22 Uhr