Joachim Walther (1943-2020)
Joachim Walther (1943-2020)
Foto:  Ullstein/Brigitte Friedrich

Berlin - Ist jemand abwesend, wenn er nicht mehr in der Welt ist? Die letzte Würdigung kam vom Verleger Christoph Links. In einem Interview vom März 2020 wurde er gefragt, ob die DDR-Aufarbeitung nicht vor allem ein Thema für den Westen sei. Links widersprach vehement: „Ich fühle mich aufgrund meiner Biografie prädestiniert für einen kritischen Blick ohne Hass. Nehmen Sie ,Sicherungsbereich Literatur. Schriftsteller und Staatssicherheit in der DDR‘. Der ostdeutsche Schriftsteller Joachim Walter hat sich für dieses Buch die hiesige Literaturszene angeschaut und gefragt, inwieweit sie von der Stasi durchsetzt, unterwandert war. Es ist 1996 in Kooperation mit der Gauck-Behörde bei uns erschienen. Stefan Heym hat mich damals im PEN dafür lautstark angegriffen: ,Herr Links, lassen Sie diese Schmutzarbeit die anderen machen. Das hat bei Ihnen im Verlag nichts zu suchen.‘ Doch, solche Bücher haben etwas bei uns zu suchen. Wir Ostdeutschen sind für unsere Aufarbeitung selbst zuständig.“ Und im Nachsatz: „Was die Aufarbeitung der DDR betrifft: Ich bin wirklich der Meinung, dass wir die Pflicht haben, uns kritisch mit unserer eigenen Geschichte zu beschäftigen. Weil wir, mit der Erfahrung des Innenblicks, bestimmte Dinge anders verstehen als jemand, der nur Stasi-Akten liest.“

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