Berlin - Der Schauspieler Ulrich Matthes ist am Sonntagabend zum Präsidenten der Deutschen Filmakademie gewählt worden. Das ist eine gute filmpolitische Nachricht, denn der in diesem Jahr 60 werdende Matthes ist ein engagierter, bestens informierter, demokratischer Kopf, so widerspruchsfreudig wie kompromissbereit, zu Buche schlägt hierbei seine geradezu suchthafte tägliche Zeitungslektüre.

Ulrich Matthes löst Iris Berben ab

Er wolle das Amt mit all seinen Kräften ausfüllen. All seinen Kräften? Und was ist dann mit seinem Publikum? Die gute filmpolitische Nachricht solle, so versichert er dieser Zeitung, keine schlechte für die Film- und Theaterkunst sein. „Wenn dieses Amt nicht genug Raum lassen würde für meine Arbeit auf der Bühne und vor der Kamera, würde ich es nicht antreten.“

Matthes, seit 2004 Ensemblemitglied des Deutschen Theaters, löst die Schauspielerin Iris Berben ab, die nach neun Jahren und drei Amtszeiten den Posten abgibt. Sie war es auch, die zusammen mit der Akademie-Geschäftsführerin Anne Leppin eine Woche lang „in sehr herzlicher, mutmachender und zugewandter Weise“ auf Matthes eingewirkt habe. Als die Wahl dann vollzogen war, sei er mit Freude nach Hause gegangen. „Es ist wagemutig, aber es ist nicht surreal“, so Matthes. „Die Akademiepräsidentschaft, die traue ich meinen Nerven zu.“

Matthes glaubt an die Filmakademie

Als Kulturfunktionär (ein Begriff, der zu Unrecht negativ beleumundet ist) hat er unter anderem seit 2012 Erfahrungen als Direktor der Sektion Darstellende Kunst in der Akademie der Künste gesammelt, seit demselben Jahr ist er auch Vorstandsmitglied in der Filmakademie.

Respektvoll, aber nicht eingeschüchtert spricht der Schauspieler von der Institution. „Die Mischung aus Werkstatt und Glamour“ hat es ihm angetan, diese Institution wirke nach innen und nach außen und könne auf diese Weise einiges bewirken. Und dann kommt so ein Satz, der aus dem Mund von Matthes überhaupt nicht nach Floskel klingt, sondern wie ein wirkliches, aus tiefem Herzen geholtes Gänsehautbekenntnis: „Ich glaube an die Kraft der Akademie, wie ich an die Kraft des deutschen Kinos glaube.“

Neuer Chef soll mit an den runden Tisch

Die Filmakademie ist in erster Linie dafür bekannt, die Deutschen Filmpreise (Lolas) zu vergeben. Aber in der Tat hat sie noch viele weitere, weniger glamouröse, aber nicht unwichtigere kulturpolitische Aufgaben. Matthes will dazu beitragen, die teils künstlich aufrechterhaltene Kluft zwischen Arthouse- und Blockbuster-Kino zu verkleinern und in dem vermeintlichen Interessenwiderspruch zwischen Kunstwerden des bewegten Bildes in Serien- und Kinoformaten zu vermitteln.

An dem Runden Tisch, den die Kulturstaatsministerin Monika Grütters letzte Woche angesichts des Dämpfers bei den Kinozuschauerzahlen einzuberufen ankündigte, um Reformen der Filmkunstförderung zu besprechen, sollte Ulrich Matthes unbedingt Platz nehmen. Wenn sein Proben- und Drehplan es erlauben.