„Sind Sie völlig irre?“ fragt ihn Jungkommissarin Anneliese Deckert (Lucie Heinze) entgeistert. „Der ist irre, der Typ“, konstatiert auch Kripo-Chef Rabe (Paul Fassnacht). Entspannter drückt es ein Verdächtiger aus: „Sie haben ganz schön einen an der Waffel!“ Der Mann, der gemeint ist, trägt gern auffällige blaue Gummihandschuhe, redet mit einer ermordeten Prostituierten und hasst jede Berührung. Vor allem aber ist Professor Jasper Thalheim (Matthias Matschke) eine ebenso gefürchtete wie anerkannte Koryphäe auf dem Gebiet der Kriminalpsychologie.

„Professor T“ ist also für eine deutsche Krimiserie ein eigenartiger Held. Man ist dem ZDF ja schon dankbar, wenn es zur Abwechslung mal keine neue Soko startet. Selbst erfunden haben die Produzenten ihre Figur aber nicht. „Professor T“ ist die Adaption einer erfolgreichen belgischen Serie. Nach einem erfolgreichen Testlauf am späten Sonnabend rückt die Reihe nun mit vier neuen Folgen auf den Freitagabend.

Paul Fassnacht als Untergrund-Pate

Matthias Matschke ist am Freitag im ZDF sowieso Dauergast, denn er kreuzt sowohl bei der „heute show“ als auch bei „sketch history“ auf. Als „Professor T“ ist er nicht nur präsent, sondern prägend – anders als in seiner Mitläuferrolle als „Polizeiruf“-Kommissar in Magdeburg. Der vermeintliche Irre mit den blauen Gummihandschuhen setzt gern einen stoischen, fast starren Blick auf, bewegt sich so steif wie ein Roboter und gibt stets wohlformulierte Analysen von sich.

Gern erklärt er Psychopathen detailliert ihre Störung und in das „verlorene Kind“ aus dem zweiten Fall kann er sich besonders gut hineinversetzen, denn der Junge ist autistisch. In einem auffälligen Kontrast zur exakten Welt des „Professor T“ steht das Kommissariat in Köln. Die Büros erinnern an eine ranzige Detektei aus einem 80er-Jahre-Krimi, Paul Fassnacht als Kripo-Chef wirkt eher wie ein Untergrund-Pate, seine jungen Kommissare dagegen wie übereifrige Praktikanten.

Anschlussfehler häufen sich

Das Bild eines Paares, das in der Startfolge mit Masken auf dem Kopf und Messern im Bauch aufgefunden wird, kommentiert Daniel Winter (Andreas Helgi Schmid) wie ein Teenie: „Krasser Scheiß!“ Thomas Jahn, der auch die Kamera führte, inszeniert alles in einem lässigen, oft betont trashigen Stil, der sich von der Biederkeit der meisten ZDF-Krimireihen abhebt. Mit der Genauigkeit wird es nicht so genau genommen, Anschlussfehler häufen sich.

Mal passen die Lichtverhältnisse überhaupt nicht zur Uhrzeit. Mal hat ein überfallener Vater eine Wunde im Gesicht, beim nächsten Verhör ist die Wunde komplett weg, beim nächsten Gespräch aber wieder da. Solch einen exakten Blick wie ihr „Professor T“ hatte offenbar keiner am Set. 

Professor T vier Folgen, freitags 20.15, ZDF