Im Handumdrehen war der Chor nüchtern. Kein Torkeln, kein Zuprosten mehr. „Ich hab die Säufer auf schnellen Entzug gesetzt“, scherzt Gerlinde Pelkowski, Regisseurin der Wiederaufnahme von Giacomo Puccinis Oper „Manon Lescaut“ durch die Deutsche Oper Berlin. Auch die üppigen Dekolletés der Rokoko-Damen sind mit eingesteckten Tüchern züchtig geschrumpft und Manons leidenschaftlicher Kuss für den Geliebten Des Grieux ist nur noch angedeutet.

Pelkowski hat die Inszenierung von 2004 in einer prüderen Spielart wiederbelebt. Nicht für das Stammhaus an der Berliner Bismarckstraße, das gerade wegen technischer Modernisierung geschlossen ist, sondern für das Royal Opera House Muscat, das Königliche Opernhaus im fünftausend Kilometer entfernten Maskat, der Hauptstadt des arabischen Emirats Oman. Und in dem islamischen Staat sind eben bei aller Offenheit gegenüber dem Westen Alkohol sowie öffentliche Zuneigungsbezeugungen unerwünscht.

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