Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) soll sich angeblich völlig aus der Intendantenwahl herausgehalten haben. Das berichten jedenfalls die Rundfunkräte der Deutschen Welle (DW), die am Freitag Peter Limbourg auf den DW-Chefposten berufen haben. Trotzdem wird der Auslandssender zum 1. Oktober einen Intendanten bekommen, der zwar kein CDU-Mitglied ist und vorrangig als Journalist verstanden werden möchte, der aber der Union fraglos nahesteht. Am Freitag erhielt der 52-jährige Limbourg in geheimer Abstimmung bereits im ersten Wahlgang die notwendige Zweidrittelmehrheit: mit 14 Ja-Stimmen, einem Nein und zwei Enthaltungen. „Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion freut sich über die Wahl von Peter Limbourg zum Intendanten der Deutschen Welle“, sagte denn auch Wolfgang Börnsen, kultur- und medienpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion im Anschluss an die Wahl. Der Rundfunkrat habe „eine kluge und weitsichtige Entscheidung getroffen“.

Wenige Tage nach der Bundestagswahl Ende September 2013 werden damit sowohl an der Spitze der Deutschen Welle als auch der Spitze des Deutschlandradios unionsnahe Vertreter stehen. Gerade hat der Verwaltungsrat des Deutschlandradios den seit 2009 amtierenden Willi Steul zur Wiederwahl vorgeschlagen. Die Wahl soll noch im April stattfinden.

Gut informierte Kreise wollen wissen, dass Steuls Wiederwahl mit einem Deal verknüpft ist. Demnach sei der 61-Jährige bereit, die zweite Amtszeit nicht die vollen fünf Jahre zu erfüllen, sondern das Amt vorzeitig mit 65 aufzugeben. Danach soll ein Roter ran, die Arithmetik zwischen Deutscher Welle und Deutschlandradio würde also wieder stimmen.

Etat: 270 Millionen Euro

Das Treffen der DW-Rundfunkräte dauerte am Freitag rund zwei Stunden. Die meiste Zeit verging mit Fragen der Gremienmitglieder an den einzigen Kandidaten. Limbourg soll sie ohne Zögern beantwortet und durch gute Vorbereitung geglänzt zu haben. Es ist das erste Mal, dass ein Vertreter des Privatfernsehens einen solchen Posten übernimmt. Helfen wird ihm, dass er das Haushalten mit wenig Geld schon als Informationsdirektor von ProSiebenSat.1 gewohnt ist. Der Etat der weltweit in 30 Sprachen verbreiteten Deutschen Welle beträgt jährlich rund 270 Millionen Euro.

Aufgestockt werden dürfte die Summe kaum, auch wenn Börnsen appelliert, der Bund müsse bei der Finanzierung der Deutschen Welle „Perspektiven aufzeigen“. Andere Nationen verstärkten ihre Aktivitäten im internationalen Kommunikationsbereich, um ihre politische Sicht des Weltgeschehens anderen Völkern zu vermitteln.

Limbourg kündigte an, „das journalistische Profil, die Sprachenvielfalt und Multimedialität des Senders“ weiterentwickeln zu wollen. „Die Zusammenarbeit mit ARD-Landesrundfunkanstalten und dem ZDF zu intensivieren ist ein weiteres Ziel, das ich mir gesetzt habe.“ Eingefädelt hat die Kooperation der scheidende DW-Intendant Erik Bettermann. Limbourg wird sie nun inhaltlich ausfüllen müssen.