Die Deutsche Welle (DW) steht selten im Fokus. Das liegt daran, dass sie im Inland weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit sendet. Den Steuerzahler kostet der Auslandssender jährlich 270 Millionen Euro: Geld, das direkt aus dem Bundeshaushalt stammt. Aus DW-Sicht mag das wenig sein, bedenkt man die Vielzahl ihrer fremdsprachigen Programme. Zum Vergleich: Der Rundfunk Berlin-Brandenburg erhält als eine der kleinen ARD-Anstalten 366 Millionen Euro jährlich aus der Haushaltsabgabe.

Forderung nach mehr Geld

Doch offensichtlich hofft der neue Intendant Peter Limbourg, bei der nächsten Haushaltsaufstellung mehr einfordern zu können. Die Deutsche Welle argumentiert mit den zu erwartenden Rechtekosten, da sie künftig Programme von ARD und ZDF übernimmt. Zudem gelte es, die DW wettbewerbsfähiger zu machen. Wie das geschehen soll, beschloss die Geschäftsleitung vor einigen Tagen bei einer Klausurtagung. Die Ergebnisse präsentierte Limbourg am Freitag dem Rundfunkrat. Sie sind Grundlage für die Aufgabenplanung der Jahre 2014 bis 2017, deren Entwurf im Frühjahr Bundesregierung und Bundestag vorgelegt werden muss.

Limbourg kündigt „tiefgreifende Reformen“ an. Ziel sei, die Deutsche Welle zur Top drei der Auslandssender zu machen. Weltweit gelten CNN und BBC als die Top zwei, gefolgt von Russia Today und France 24. Doch so genau will sich Limbourg nicht festlegen: Die Deutsche Welle messe sich in den einzelnen Regionen jeweils mit den dortigen Sendern, „in Lateinamerika beispielsweise mit CNN Espanol, sagt ein Sprecher.

150 Millionen Nutzer sollen wöchentlich erreicht werden

Konkreter erscheint daher die von Limbourg propagierte Zielmarke, statt aktuell 101 Millionen regelmäßige Nutzer pro Woche bis 2017 global 150 Millionen zu erreichen. Die BBC gibt ihre globale Reichweite über alle Plattformen hinweg mit 256 Millionen an. Allerdings sind diese Zahlen mit Vorsicht zu genießen. Im Fall der Deutschen Welle basiert sie nach Senderangaben auf „von der DW beauftragten, repräsentativen empirischen Studien“, durchgeführt „nach verbindlichen, einheitlichen Richtlinien für alle internationalen Informationsanbieter“.

Limbourg schreibt in einer internen Mitteilung, die dieser Zeitung vorliegt, er wolle das journalistische Profil der DW als „globaler Informationsanbieter aus Deutschland“ schärfen. „Wir wollen insbesondere Akzente setzen in den Bereichen Wirtschaft, Zivilgesellschaft, Meinungsfreiheit, Wissenschaft, Kultur, Umwelt und Lifestyle“. Dabei moniert er, die Deutsche Welle habe bisher zu unscharf definiert, an wen sie sich richte.

"Stimme der Freiheit"

Statt „Informationssuchende“ nimmt sie künftig „Entscheider und Teilnehmer an der politischen Meinungsbildung“ ins Visier. Als Beispiel nennt er „Studenten und Gruppen, die zivilgesellschaftliche Prozesse in unfreien Gesellschaften vorantreiben“. Gerade sie seien interessiert daran, „wie unser gesellschaftliches und politisches Modell funktioniert“ und sollen sich „auf unser Markenzeichen als Stimme der Freiheit verlassen können“.

Ausgebaut werden soll das englischsprachige Angebot durch „Breaking News“, Themenschwerpunkte und Eigenproduktionen, wobei ein Schwerpunkt künftig auf Asien und Afrika liegen werde. Im gesamten Fernsehprogramm plant Limbourg, die Nachrichtenflächen auszuweiten. Zudem setzt er auf „gut erzählte Geschichten nicht nur über Missstände, sondern auch über Erfolge in der Welt“. Das Programm müsse „emotionaler werden und lockerer“, fordert der frühere Sat.1-Nachrichtenmann. Es gelte, „DW-Gesichter“ zu entwickeln, „Moderatoren und Reporter, die für die DW stehen“.

Wenig neu ist die Ankündigung, die Planungs- und Produktionsabläufe auf das Prinzip „plan once – publish everywhere“ umzustellen. Die intern „pope“ genannte Strategie, alle Angebote multimedial auf allen Plattformen zu verbreiten, gilt bei der DW seit Jahren. Neu ist der Ausbau des Digitalangebots, auch durch verstärkte Aktivitäten in sozialen Netzen und durch Beiträge von Nutzern. Es gelte die Devise „online first“, schreibt Limbourg.

Sendungen werden gestrichen

Um dies zu finanzieren, zumal Limbourg voraussichtlich auch nicht mehr Geld zur Verfügung stehen wird als seinem Vorgänger Erik Bettermann, sollen Werbezeiten vermarktet, bei DW-TV die Produktionskosten gesenkt und einige Sendungen gestrichen werden. Welche, sagt er nicht. Zudem soll die Wiederholungsrate erhöht werden. Ohnehin würde das Programm nur 20 Minuten am Stück gesehen, sagt ein Sendersprecher. Das dürfte jedoch eher für die Fremdsprachen- als für das von Deutschen im Ausland wesentlich intensiver genutzte deutschsprachige Programm gelten.

Geht es nach Limbourg, wird die Reform unabhängig von der Etatsituation von Februar an schrittweise umgesetzt.