Sechs Bücher, die sich zu lesen lohnen: Die Shortlist für den Deutschen Buchpreis.
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Der Deutsche Buchpreis ist die Auszeichnung, die hierzulande einem literarischen Werk die höchste Aufmerksamkeit zuweist. Egal, wer im Herbst zum Nobelpreisträger auserkoren wird, egal, wer (normalerweise) kurz nach der Frankfurter Buchmesse mit dem Büchnerpreis geehrt wird (in diesem Jahr die Dichterin Elke Erb), der Deutsche Buchpreis sorgt für einen Bestsellererfolg. 

Natürlich kann so eine Auszeichnung nicht gerecht vergeben werden, weil die Kriterien, um die Kopfgeburten und literarischen Recherchen zu vergleichen, keinesfalls objektiv sind. Die Ansprüche von professionellen Lesern, wie es die Juroren eines solchen Preises sind, unterscheiden sich. Insofern sind alle, die Orientierung suchen und sie nicht nur von ihren Tageszeitungen und Buchhändlern erwarten, gut beraten, sich auch die Vorauswahl für den Deutschen Buchpreis anzuschauen.

Die hat die Jury nach der Longlist mit zwanzig Titeln nun als Sechser-Gruppe bekanntgegeben. Was auch immer hier fehlt, zeigen die Favoriten doch insgesamt die Vielfalt der deutschsprachigen Literaturlandschaft. Sie unterscheiden sich in stilistischem Charakter und Zugriff auf die Wirklichkeit deutlich.

Deniz Ohde erzählt in ihrem ersten Roman „Streulicht“ eindringlich vom Aufwachsen im westdeutschen Arbeitermilieu. Dorothee Elmiger experimentiert in „Aus der Zuckerfabrik“ mit dem Erzählen selbst. Bov Bjerg schickt in „Serpentinen“ einen Vater auf die Spur der Selbstmörder in seiner Familie. Thomas Hettche widmet sich in „Herzfaden“ der Geschichte eines Puppentheaters und holt sie mit einem Trick in die Gegenwart. Historische Figuren lassen auch Anne Weber und Christine Wunnicke lebendig werden, in „Annette, ein Heldinnenepos“ eine französische Widerstandskämpferin, „Die Dame mit der bemalten Hand“ soll es im Indien des 18. Jahrhunderts gegeben haben.

Am 12. Oktober wird der Preis vergeben. Also bleiben für jeden Interessierten noch knapp vier Wochen Zeit, sich ein eigenes Urteil zu bilden, um dann die Entscheidung zu bejubeln oder zu bemäkeln.