Die Jury des Deutschen Buchpreises  hat ihre Auswahl von zwanzig Kandidaten auf sechs reduziert, für die sogenannte Shortlist. Alphabetisch geordnet  sind es Gerhard Falkners sprachabenteuerlicher Schriftstellerroman „Romeo oder Julia“, Franzobels historisch inspirierter farbenprächtiger Überlebenskampf auf dem „Floß der Medusa“, Thomas  Lehrs an einem einzigen Tag handelndes Jahrhundertbuch „Schlafende Sonne“, der EU-Roman des großen Erzählers Robert Menasse „Die Hauptstadt“ (siehe nebenstehende Rezension),  der poetische Roman „Die Kieferninseln“ der Lyrikerin Marion Poschmann und das flirrende Prosadebüt der Dramatikerin Sasha Marinna Salzmanns „Außer sich“ (am vergangenen Wochenende in der Berliner Zeitung rezensiert).

Schon die Nominierung zahlt sich aus

Alljährlich wird am Preis herumgemäkelt, an der Mischung von Herkunft und Geschlecht der Autoren, an den  Themen der Bücher oder überhaupt am Blick allein auf Romane. Es ist leicht, nach eigenen Leseeindrücken zu sagen, welcher Autor den Deutschen Buchpreis unbedingt auch verdient hätte. Die Longlist sah vielversprechend aus, auch wenn da schon würdige Kandidaten fehlten und andere subjektiv gesehen überflüssig waren. Aber die sieben Juroren haben gewiss um jedes Buch gerungen. Sie sind beladen mit einer riesigen Verantwortung, weil der Preis nicht nur Ehre für den Autor bedeutet, sondern einen Verkaufserfolg. Bereits die ersten Nominierungen, die im August verkündet werden, bringen Aufmerksamkeit in Buchhandel und Medien – und in der Folge bei den Lesern. Wer es auf die Shortlist schafft, erhält zur Verleihung am 9. Oktober 2500 Euro, der Gewinner  das Zehnfache als Preisgeld.

Zwei Vorschläge, fünf Empfehlungen

Am interessantesten an der diesjährigen Liste ist, dass die Lektoren und Marketingleute in einem Verlag  nun durchs Haus tanzen und Sekt entkorken werden. Suhrkamp hat mit Menasse, Poschmann und Salzmann drei Kandidaten in der Endrunde. Andere große Häuser wie S. Fischer oder C. H. Beck haben keinen mehr im Köcher.  Dabei sehen die Regularien des Preises, der seit 2005 vergeben wird, vor, dass jeder Verlag sich im Frühjahr mit „bis zu zwei deutschsprachigen Romanen aus dem aktuellen oder geplanten Programm“ um die Auszeichnung im Herbst bewerben kann. Doch Suhrkamp hat nicht getrickst. Denn aus der Erfahrung der vergangenen Jahre, da große Verlage sich mit der Auswahl ihrer Lieblinge quälten, dürfen noch fünf weitere „Empfehlungen“ eingereicht werden.  Also hat sich die Jury daraus diesmal noch mehr Lesestoff gesucht.