Man kann einen Text über die Lage der deutschen Fernsehshow natürlich damit beginnen, dass man auf den Fehlstart der ZDF-Samstagsabend-Sendung „4 geben alles!“ hinweist (Marktanteil: 8,8 Prozent), auf das krachende Scheitern des ProSieben-Showversuchs „Deutschland tanzt“ (7,1 Prozent) und auf den Erfolg des „Adventsfest der 100000 Lichter“ mit Florian Silbereisen am vergangenen Wochenende im Ersten (23,6 Prozent).

Letztlich würde man damit jedoch lediglich das typische Gespräch von TV-Schaffenden zwischen Vormittagskaffee und Mittagessen simulieren, und Hand aufs Herz: So richtig weitergebracht hat der Zahlenfanatismus die deutsche Fernsehunterhaltung bislang nicht.

Es gibt zwei Möglichkeiten

23,6 Prozent für Silbereisens Gemütlichkeitsoffensive – was fängt man mit einem solchen Ergebnis an? Möglichkeit eins: Man erstarrt in Ehrfurcht und gratuliert der ARD recht herzlich. Möglichkeit zwei: Man verweist miesepetrig darauf, dass 6,63 Millionen Zuschauer angesichts von mehr als 82 Millionen Einwohnern jetzt auch nicht so der Burner sind, und stellt maliziös in Frage, ob das fröhliche Ringelreihen von Silbereisen, Heino, dem Christkind (!) und Ross Antony („Ding ding dong, so klingt die Weihnachtszeit“) die schlaueste Methode ist, das an die Streamingdienste abgewanderte Publikum fürs gute, alte Fernsehen zurückzugewinnen.

Wer einmal ins Mosern gekommen ist, könnte auch noch erwähnen, dass auf RTL Anfang 2017 die elfte Staffel von „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ folgt und derlei nur bedingt für die Innovationskraft des deutschen Unterhaltungsfernsehens spricht. Die Frage, ob das alles immer so weitergeht, mit den Staffeln 12 bis 35 und „Ding ding dong“ zur Weihnachts- und wenn möglich auch noch zur Osterzeit, drängt sich da geradezu auf.

Es hatte also seinen Grund, dass sich jüngst zahlreiche Fernsehmacher in Köln trafen, um beim „Großen Ufa- Show-Gipfel“ über die Zukunft der Unterhaltung zu sprechen. Nach der Rede des Medienjournalisten Hans Hoff („Die deutsche Fernsehshow ist tot“) lag es zwar nahe, gleich wieder nach Hause zu gehen, doch so schnell aufgeben wollte die versammelte Unterhaltungselite doch nicht.

Erst Beerdigung, dann Orkan

Zur beherzten Reanimation stand unter anderem Kirsty Hunter von der RTL-Group-Tochter Fremantle Media bereit, die erklären sollte, was man so alles zu tun hat, um mit Fernsehformaten auch die „On-Demand-Generation“ zu erreichen. Und tatsächlich, kaum hatte Hunter erst einmal Schwung genommen, fühlte man sich auf einmal nicht mehr wie auf einer Beerdigung, sondern mittendrin im Orkan der vielbesungenen digitalen Transformation.

Hunter demonstrierte, wie man mit Apps, Youtube-Kanälen und Postings in den sozialen Netzwerken erfolgreich das weiterspinnt, was ursprünglich nur fürs Fernsehen gedacht war – die Show „Britain’s Got Talent“ zum Beispiel.

Neue Casting-Show: „La Banda“

Der Grundgedanke dahinter: Wer dorthin geht, wo sich die Zielgruppe aufhält, mit ihr kommuniziert und interagiert und ihr rund um die Uhr Inhalte zur Verfügung stellt, trägt der veränderten Mediennutzung Rechnung und wird Erfolg haben.

Vor diesem Hintergrund findet auch die Entwicklung neuer Formate statt; die Casting-Show „La Banda“ – Ziel: die Zusammenstellung einer neuen Boygroup – ist dafür ein gutes Beispiel: Vor die Jury schaffen es nur die Sänger, die vom Publikum ausreichend Stimmen per App bekommen haben.