Am 18. März wird Egon Bahr zweiundneunzig Jahre alt. Der einstige SPD-Bundesminister gehört unter jenen Menschen, die ihre Hauptlebenszeit der Politik gewidmet haben, zu den eifrigsten Konzertgängern neben Wolfgang Thierse und Wolfgang Schäuble. Ganz aufgeregt, ein Glas Rotwein vor sich, bestürmte er am Sonntag während der Pause im Philharmonie-Foyer die Frau an seinem Tisch: „Ein interessantes Werk! Ein hochinteressantes Werk! Dieser langsame Satz – das ist eine Trauermusik“.

Das Deutsche Symphonie-Orchester unter Tugan Sokhiev hatte gerade mit Hingabe die vierte Sinfonie von Mieczysław Weinberg gespielt, einem polnischen Juden, der vor den Nationalsozialisten in die Sowjetunion geflohen war und zu den engsten Freunden von Dmitrij Schostakowitsch zählte. Weinberg wurde nur drei Jahre vor Bahr geboren; er starb 1996 in Moskau. Jahrzehntelang waren sein Name und Werk im Westen kein Begriff, bis der Dirigent Thomas Sanderling in Liverpool 2009 Weinbergs Requiem zur Uraufführung brachte, und wenig später bei den Bregenzer Festspielen die Oper „Die Passagierin“ herauskam. Nun gibt es im Musikleben plötzlich eine Weinberg-Renaissance, weil dieser Komponist die Hörer anrührt.

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