Martin (Jonas Nay) und Nicole (Svenja Jung) in einer Szene von „Deutschland 89“.
Foto: dpa Bildfunk

BerlinDaran müssen sich Journalisten in Corona-Zeiten erst noch gewöhnen, die Schauspieler und Produzenten natürlich auch: Eine Pressekonferenz zu einer neuen TV-Staffel via Zoom ist heikel. Nicht nur, weil es technische Probleme geben kann. Das Auswärtige Amt etwa hat seinen Mitarbeitern verboten, mit dem Konferenztool zu arbeiten. Es gebe, so hieß es, schwere Sicherheitsbedenken. Daten könnten abgeschöpft werden und in unrechtmäßige Hände gelangen.

Man stelle sich nur vor, ausländische Geheimdienste würden den Besprechungen lauschen – nicht auszudenken. Aber dieses Mal ging es ja nicht um das Auswärtige Amt. Amazon hatte zum Videotalk geladen, um die letzte Staffel von „Deutschland 89“ vorzustellen. Und das ist eine Agentenserie – passt also alles wunderbar.

„Deutschland 83/86/89“: Abschiede sind immer schwer

Die letzte Staffel von „Deutschland 83/86/89“ läuft am 25. September an, und wie üblich bei letzten Staffeln werden auch dann wieder Tränen fließen. Abschiede sind halt schwer – auch von Serien, die es beim Publikum nicht immer leicht hatten. Die erste Staffel („Deutschland 83“, RTL) startete mit mäßigen Einschaltquoten, obwohl  Kritiker mit Lob nicht geizten. Die erste Folge kam mit 3,19 Millionen Zuschauern auf einen Marktanteil von 9,9 Prozent, die nächste stürzte auf 2,86 Millionen Zuschauer ab. Und die letzte Episode von Staffel 1 wollten dann  bloß noch 1,63 Millionen sehen (5,3 Prozent Marktanteil). Trotzdem ging’s weiter. Im Oktober 2018 wurde die zweite Staffel „Deutschland 86“ bei Amazon Prime Video veröffentlicht. Jetzt also Staffel 3, wiederum bei Amazon.

Ich werde da immer gerne dran zurückdenken.

Jonas Nay

Die Geschichte der Streamingserie von Jörg Winger und Anna Winger ist um Hauptdarsteller Jonas Nay (29) gestrickt. Er spielt einen DDR-Soldaten, der im letzten Jahrzehnt vor dem Mauerfall als Spion in die Bundeswehr eingeschleust wird. Grundsätzlich eine spannende Angelegenheit. Vor allem, weil der Agent sich derart gerissen anpasst, dass  er von seinen westdeutschen Widergängern nur noch durch seinen inneren Ekel vor sich selbst unterscheidbar ist – zumindest für den Zuschauer. Aber das große Thema  dieses Mal ist natürlich der Mauerfall.

Wehmütig wird Jonas Nay beim Gedanken an den nahenden Schlusspunkt: Das nehme ihn emotional mit. „Ich werde da immer gerne dran zurückdenken“, vermutet er, und man nimmt ihm das in der Tat ab. Nay ist keiner, der aufträgt. Er gehört zu den sympathischsten Schauspielern seiner Generation, und es bleibt zu hoffen, dass man noch sehr viel von ihm zu sehen bekommt.