Was ist typisch deutsch? Um das herauszufinden, ist der australische Historiker Christopher Clark mit einem roten VW-Cabrio quer durch das Land und seine Epochen gefahren. Hat sich Natur, wichtige Plätze und Regionen angesehen. Und natürlich Menschen getroffen. Daraus ist die sechsteilige Doku-Reihe „Deutschland-Saga“ entstanden.

Christopher Clark, Professor in Cambridge, gilt als Experte für Preußen und moderne europäische Geschichte und hat gerade mit seinem Buch „Die Schlafwandler“ den Ausbruch des Ersten Weltkriegs analysiert. Seine Fernsehsicht auf Deutschland ist ebenfalls eine Analyse, allerdings eine unterhaltsame.

Der Historiker hält den Deutschen den Spiegel vor, wenn er angeblich typisch deutsche Dinge näher betrachtet. Gartenzwerge etwa, oder Schloss Neuschwanstein, Rotkäppchen, den Rhein, Kuckucksuhren. Dabei findet er Zusammenhänge und fördert Überraschendes zutage. Durchaus hilfreich ist dabei seine Distanz zu den Dingen. „Jede Minute soll für die Zuschauer ein Aha-Erlebnis bringen“, sagt der Produzent Gero von Boehm.

Auch der deutsche Wald soll für solch ein Aha-Erlebnis sorgen. Er ist eines der Schlüsselwörter in der „Deutschland-Saga“. Schon die Germanen verehrten ihn. Als Urwald gab er Schutz. Und unter einer Eiche wurde Recht gesprochen. Aber der Wald war auch hilfreich gegen Eindringlinge, wie sich spätestens in der Varusschlacht im Teutoburger Wald herausstellte, als ratlose römische Legionäre auf urwalderfahrene Germanen trafen. Wenn in der Dokumentation die Römer das Land wieder verlassen, erklingt als Hintergrundmusik „Arrivederci Roma“. Was der ZDF-Kulturchef Peter Arens als „Musikauswahl mit durchaus ironischem Unterton“ interpretiert.

Aber Moderator Clark schaut noch genauer hin und sieht weitere Ursachen. Danach hatte der Wald sogar Einfluss auf die späteren föderalen Strukturen des Landes. Seine Undurchdringlichkeit trennte zunächst Stämme, später ganze Regionen. Und die Verklärung des Waldes dauert bis heute an. Kein Wunder, dass das Waldsterben gerade in Deutschland besonderen Schrecken ausgelöst hat.

Derartige Assoziationsstränge gibt es viele. Kombiniert mit wunderschönen Bildern führen sie den Moderator weiter. Vom Holz zur deutschen Gemütlichkeit beispielsweise. Ein Land, in dem zwei Millionen Fachwerkhäuser stehen, macht es sich scheinbar gern gemütlich.

Und was gefällt dem Australier Christopher Clark besonders? „Deutschland ist das Land von Johann Sebastian Bach, Wim Wenders – und Adolf Hitler. Wie das alles zusammenpasst, fasziniert mich bis heute. Es ist vor allem die Vielfalt Deutschlands, die mich beeindruckt.“

Deutschland-Saga, vorerst drei Folgen, drei weitere Filme werden nächstes Jahr ausgestrahlt. Sonntag, 30.11.2014, 19.30 Uhr, ZDF