Diana Staehly

Es gibt so Tage, an denen verlässt man lieber nicht das Haus. Zum Beispiel heute. Es ist eigentlich nicht viel chaotischer als sonst in der Welt, aber es kommt einem so vor, als würde die Welt aus dem Rahmen kippen. Ostukraine, Syrien, Nahost, Somalia. Für einen Augenblick möchte ich die Tür lieber wieder von innen schließen. Zuhause bleiben nützt jedoch nichts. Schieflage − das bedeutet ja auch, zu Hause mal wieder aufräumen zu müssen.

Zum Glück habe ich ein Atelier, wo ich das nicht muss. Mittlerweile herrscht dort pures Chaos mit all seinen Bastelhinterlassenschaften. Ein Rückzugsort. Wenn ich immer dort bleiben könnte, hätte ich wahrscheinlich irgendwann auch so einen trendigen Rauschebart. Zurück zur Ordnung. Man sagt, sie sei das halbe Leben. Wie steht es aber mit der anderen Hälfte? Immerhin ist Frühling. Vielleicht sollte ich mal was dafür tun und das eine oder andere Stück an einen sinnvollen Platz schaffen. Den Teelöffel in das Teelöffelfach des Besteckkastens.

Keine Zeit. Schließlich bekomme ich Bastelbesuch von Diana Staehly und damit die beste Ausrede, nicht wider meine eigene Natur agieren zu müssen. Ordnung, pah! Neulich habe ich ein Foto von Steve Jobs’ Schreibtisch gesehen, dagegen ist meiner eine Staubwüste. Kann es sein, dass ich schon wieder abschweife? Wo war ich stehen geblieben? Stimmt. Äußere Ordnung soll für innere Aufgeräumtheit sorgen.

Also die Diana Staehly ist toll. Zugegebenermaßen war mir ihr Name kein Begriff. Aber hallo! Ihr Gesicht kenne ich dafür aus dem Fernsehen. Vor allem von „Stromberg“. Der läuft seit Februar im Kino, unbedingt gucken! Staehly gibt die sehr organisierte Versicherungsangestellte Tanja Steinke mit verzückter Spießigkeit, dass es mir ein großer Spaß war. Bisher bekam sie oft Rollen angeboten, die einen gewissen Hang zur Kontrolle aufweisen. Tough und straight, wie die Amerikaner sagen würden. Was die aber im Moment mit der Weltlage vorhaben, möchte ich gerade nicht wissen.

Zur Ordnung! Also mit Diana Staehly kann man doch bestimmt gut was machen, was dem Chaos ein Ende bereitet. Etwas für den Schreibtisch vielleicht, ein Ding, wo ich früher den ganzen Schreibkram verstaut habe. Einen Stifteköcher! Wo der wohl in der Zwischenzeit gelandet ist? Der Vorteil einer Liebe zum Horten ist ja, dass man für seine Kreativideen immer was Passendes findet. Als ich aber die unzähligen leeren Klopapierrollen in einer Tüte entdecke, frage ich mich schon, ob ich Diana Staehly das zumuten kann. Nachhaltigkeit gut und schön. Irgendwie scheinen mir diese braungrauen Zeugenschaften doch zu eklig. Als seien wir quasi am Bodensatz der Bastelfreude angelangt.

Habe ich es schon gesagt? Diana Staehly ist toll. Sie kommt nur zehn Minuten zu spät aus dem fernen Potsdam, nachdem auf dem Weg ein Gefangenentransport liegen geblieben sein soll und sie erst mal im Stau stand mit − sie lacht − verriegeltem Wagen. Sie sagt das mit einer natürlichen Gelassenheit, wie sie wahrscheinlich nur Leute zu eigen ist, die bereits bei „Alarm für Cobra 11“ mitgewirkt haben. Zurück zur Aufgabe.

Ursprünglich kommt Diana aus Köln. Der Karneval ist noch nicht lange her. Eigentlich dachte sie daran, etwas zu diesem Thema zu gestalten, zumal: Basteln könne sie nicht, aber eine Maske gehe immer. Außerdem ist sie junge Mutter; da besteht die große Kunst eher darin, das Chaos zu regieren. Nicht zu vergessen die Fähigkeit, flexibel zu bleiben und sich auf das Unerwartete einzulassen. So wird nach gut anderthalb Stunden gemütlicher Kleberei und Malerei doch etwas Nützliches entstehen.

Ohne aus dem Takt zu kommen erzählt Steahly wunderbare Anekdoten über „Stromberg“, zum Beispiel dass sie durch einen Videoauftritt als singendes Telegram damals zum Casting eingeladen worden sei. Obwohl sie überhaupt nicht singen könne. Sagt’s und setzt den letzten Farbtupfen auf die ehemalige Scheußlichkeit. Das Ergebnis: eine karnevaleske Ordnungshilfe. Könnte aber auch ein Modell für den neuen Alexanderplatz sein. Was das alles mit der Schieflage da draußen zu tun hat? Nichts! Und das ist das Gute daran.