Falsche Nasen haben schon mancher Schauspielerin höchste Anerkennung gebracht, siehe Nicole Kidman, die als Virginia Woolf in „The Hours“ mit deutlich prominenterem Gesichtserker einen Oscar erhielt. Ihrer Freundin Naomi Watts wird diese Ehre erstmal nicht vergönnt sein, obwohl auch sie ihre rundliche Nasenspitze kaschieren ließ. Und ein intensives Mimiktraining absolvierte, das sie zum berühmtesten aller Scheues-Reh-Blicke befähigt. Alles im Dienste von Diana, Prinzessin der Herzen, die Watts in „Diana“ verkörpert, dem im ambitionierten Kitsch gescheiterten Film von Oliver Hirschbiegel („Der Untergang“).

Es ist ein sehr kleiner Einblick in ihr Dasein, reduziert auf die zwei letzten Jahre ihres Lebens bis zum tödlichen Unfall 1997, als Diana – bereits getrennt und schließlich geschieden von Charles – einerseits um die Möglichkeit ringt, ein Privatleben führen zu können, und es andererseits nicht hinnehmen kann, nicht länger im Mittelpunkt des globalen Interesses zu stehen. Das Dilemma spitzt sich zu durch ihren neuen Liebhaber, den britisch-pakistanischen Herzchirurgen Hasnat Khan, der auf keinen Fall als Schoßhündchen der Ex-Princess of Wales in die Öffentlichkeit geraten will, sondern Abende mit Jazzmusik, Fastfood, Guinness und ein paar Kippen als ideale Freizeitkombi betrachtet. Klingt eigentlich sympathisch, aber die eilends angeschafften protzigen Versace-Aschenbecher lassen schon vermuten, dass da ein Konflikt schlummert.

In Großbritannien wurde der Film zerfetzt; er gilt als Flop – nur den People-Magazinen dient er als ideale Themenspende. Die so sattsam bekannten Stationen von Dianas Leben werden erneut ausgebreitet, vor allem die Frage, wen sie denn geliebt habe am Ende ihrer Tage. War es der Arzt, den sie ihren „Mr. Wonderful“ genannt haben soll, oder der Unternehmersohn Dodi Al-Fayed, mit dem sie auf einer Jacht im Mittelmeer herumtändelte? Allgemein nimmt man heute an, dass sie Hasnat Khan damit eifersüchtig machen wollte; er selbst schweigt dazu seit Langem. Das Ende der Affäre war, wenn man so will, Dianas gemeinsamer Tod mit Dodi in Paris. Dass auch andere Umstände – Khan hätte nach dem Willen seiner konservativen Familie kaum eine geschiedene, protestantische Britin heiraten können/wollen – nicht gerade eine günstige Prognose zuließen, das ist hier allenfalls zart angedeutet.

Der Regisseur setzt stattdessen alles daran, die Romanze möglichst teenagerhaft verklärt zu inszenieren – mit, kicher, kicher, geheimen Treffen, in Pubs, natürlich mit Perücke für Diana. Mit einem unter einer Wolldecke in den Palast gebrachten Khan (Naveen Andrews aus „Lost“) und einer Prinzessin, die an der Küste heiter in Gummistiefeln herumtollt. Der Untergang von „Diana“ ist nicht die Schuld der tapferen Watts – aber vielleicht der Aufwand, der betrieben wurde, um Dianas Etuikleider, Tod’s-Handtaschen und den Badeanzug vom Mittelmeer-Törn originalgetreu zu rekonstruieren, anstatt nach Thesen diesseits der erschöpfend ausgeschmückten Lovestory zu suchen.

Die lieben Liebenden lernen sich kennen, als Diana den Mann ihrer Akupunkteurin im Londoner Brompton Hospital besucht. Das macht sie gern, denn zu Hause im Kensington Palace ist es öd – und bei Diana mischt sich seit jeher Mitgefühl mit der Ahnung, dass man sich karitativ am besten beliebt macht. Der Film verzichtet denn auch nicht auf die spektakuläre Szene, in der Diana ein soeben von Landminen befreites Terrain in Angola abschreitet. Zeitweise ist sie bei über 100 Organisationen als Schirmherrin oder sonst wie engagiert – dass der Arzt ihr diese Idee eingegeben haben soll, ist also kein sehr triftiges Detail fürs Lichtspielhaus. Hirschbiegel spielt leider die faszinierende Ambivalenz dieser Frau kaum einmal aus, die locker eine stundenlange Herzoperation als Zuschauerin durchsteht; sorgfältig geschminkt unter Haube und Atemschutzmaske, ein Medienprofi in der Hingabe-Rolle. Die Prinzessin der Herzen existiert eben – das ist ihr Dilemma – nur in der öffentlichen Wahrnehmung.

Der Mensch dahinter soll seinen Herzensdoktor mit Anrufen (getarnt u.a. als „Dr. Armani“) geradezu bepflastert haben, wenn der mal wieder ewig im OP stand. Was zwischen den beiden geschieht in all den privaten Szenen, das ist Fiktion. So ist es auch bei Stephen Frears’ „The Queen“ (2006), der ebenfalls in der Zeit von Dianas Unfalltod spielt und davon erzählt, wie der neue Premier Blair die Regentin beredet, doch Herz zu zeigen und das Hofprotokoll zu überwinden. Das Innenleben der königlichen Familie mag nicht aussehen wie in jenem Film – aber immerhin geht es, wie in „Diana“, nicht bloß um Äußerlichkeiten.

Diana (Diana) GB 2013. Regie: Oliver Hirschbiegel, Drehbuch: Stephen Jeffreys, Kamera: Rainer Klausmann, Darsteller: Naomi Watts, Naveen Andrews, Geraldine James u.a.; 113 Min., Farbe. FSK o.A.