Berlin - Wenn man sich so umschaut in der Welt, hofft man bald unweigerlich, dass der Mensch nicht die Krönung der Schöpfung und das Endprodukt der Evolution ist, sondern, dass ihm etwas anderes, Besseres, Klügeres folgen möge. Ähnlich könnte es Dietmar Dath ergangen sein, als er seinen Science-Fiction-Roman „Die Abschaffung der Arten“ schrieb. Der spielt im Jahr 2508 und zeigt eine neue Spezies, die Gente, die die Menschen versklavt hat. Indes werden die Gente bereits von der nächsten Gattung – den stärkeren Keramikern – bedroht. Tiere sind auch mit von der Partie, die genetische Autonomie ist durchgesetzt, und am Schluss sticht eine frische Arche Noah hinaus durch die Höhen und Tiefen der Diskurskaskaden, die Dath quer durch die Wissenschaftsdisziplinen entfesselt.

Eigentlich sprechen solche utopisch ungereimten Bücher eher männliche Leser an, aber die Regisseurin Claudia Bauer war von der „Abschaffung der Arten“ ebenfalls begeistert und hat nun im Theater an der Parkaue eine entsprechende Adaption inszeniert. Der Studiengang zeitgenössische Puppenspielkunst der „Ernst-Busch“-Hochschule hat zu dieser Koproduktion sehr schöne Tiermasken und Puppen beigesteuert und versteht mit Letzteren prima umzugehen. Das zehnköpfige Ensemble nimmt am Anfang als schick gekleidete Partygesellschaft ein rundes Podest mit einem gekrümmten Tresen in Beschlag. Hinter ihm fällt die Eingangstür krachend zu und lässt sich nicht mehr öffnen, was nicht bloß für räumliche, sondern zumal für inhaltliche Beklemmungen sorgt.

Vielerlei sinnliche Reize

Denn worüber diese euphorische Gruppe sich da unterhält und streitet, was sie zum Tanzen und Kämpfen, Debattieren und Anbändeln bringt („Komm Baby, wir verschmelzen“), sieht zwar hübsch und meist vergnüglich aus, ist allerdings von der Story her kaum nachzuvollziehen. Ein wenig erinnert das alles an einen hochgestochenen Kindergeburtstag mit erheblichem technischen Aufwand (Live-Video, Live-Geräuschkulisse, Filmschnipsel und akustische Spezialeffekte samt Sprachverzerrung). Große Teile der Handlung wie der Dialoge bleiben jedoch auf Schlagworte – Kapital, Subindividualität, Unsterblichkeit, Quantentheorie – reduziert, weil der Rest im leidenschaftlich aufgedrehten Bühnengeschehen absäuft. Die Akteure und ihre Regisseurin wirken dermaßen berauscht von Daths Zukunftsvision, dass sie darüber die Interpretation vergessen. Die Zuschauer werden jedenfalls mit vielerlei sinnlichen Reizen herausgefordert und müssen zusehen, was sie damit anfangen.

Der Mut zum Risiko, der das Theater an der Parkaue mit seinem Publikum vor allem aus Kindern und Jugendlichen nicht nur hier auszeichnet, wird seitens des Kultursenats übrigens nicht recht gewürdigt. Von 200000 Euro Unterfinanzierung ist die Rede, um kontinuierlich weiter die so nötigen wie verlangten Aufgaben in Sachen Kulturelle Bildung und Kunstvermittlung leisten zu können. Ein Fall für die Gente? Nein, noch sind die Menschen dran, die Politiker.

Wieder am 5. und 6. 6., 23. bis 25. 9.