Berlin - Ihr besonderes Verhältnis zur Treue hat die Berliner Band Die Ärzte schon früh beschäftigt. In „Teddybär“, einem ihren ganz frühen Songs, in dem der verwaiste Kuschelpartner nach Jahren wieder aufgesucht wird, heißt es: „Du bist hier eingestaubt/Ich habe dir die besten Jahre des Lebens geraubt/Oh, mein Teddy, kannst du mir verzeihn?/Erwachsen sein heißt Treue verachten.“

Als Profimusiker aber haben Die Ärzte gelernt, die Treue ihrer Fans zu schätzen. Also wollte Berlins beste Band der Welt gern auch wieder hinaus in die Welt. Daraus wird nun aber nichts. Die Band hat ihre für den Herbst geplante Tournee, die coronabedingt bereits verschoben worden war, schweren Herzens abgesagt.

Der Auftakt für die ausverkauften Konzerte war zuletzt für den 30. Oktober in Berlin vorgesehen. Bei der Konzertreise durch 15 Städte waren 26 Auftritte in Deutschland, der Schweiz und Österreich geplant. In einer öffentlichen Mitteilungen führen die Ärzte ihre Entscheidung auf die in den verschiedenen Bundesländern unterschiedlich geregelten Corona-Maßnahmen zurück. Eine „so große Tour wie die von uns geplante mit derart viel Unsicherheit der Genehmigungslage“ sei so nicht möglich, lässt die Band verlauten.

Anders als Nena

Bela B, Farin Urlaub und Rodrigo Gonzales haben auch eine politische Botschaft. „Wenn schon die zuständigen Behörden und Politiker uneinig sind, was für alle sicher und gesund ist, woher sollen wir es dann wissen? Wollen wir wirklich das Risiko eingehen, auf Kosten Eurer Gesundheit herauszufinden, dass wir uns (oder die zuständigen Behörden sich) geirrt haben?“, fragte die Band ihre Fans. Und gibt auch gleich die Antwort: „Nein.“

Aus dem Statement der Ärzte spricht anders als bei der Kollegin Nena, die zuletzt in gesteigertem Maß ihre bloße Wut gegen die Coronamaßnahmen ausagiert hat, vor allem das Bemühen um pragmatische Vernunft. Zuletzt hatten sich die Bandmitglieder sogar für eine Impfkampagne engagiert. Die Absage der Ärzte ist nun auch ein Indiz dafür, dass der bevorstehende Herbst für Bühnenkünstler keine Rückkehr zur Normalität bringen wird.