Eine Desktop-Ansicht der BR-KulturBühne
Foto:  Screenshot br.de

BerlinUnter der Corona-Krise leiden Künstler besonders. Es gibt derzeit weder Konzerte oder Lesungen noch Theater, Oper oder Ausstellungen. In dieser Situation sind den Kulturschaffenden die Öffentlich-Rechtlichen zur Seite gesprungen. Sie bieten ihnen Ersatz im Netz. Beim RBB gibt es etwa die Angebote „Der RBB macht Oper“ oder „Der RBB macht Lesungen“. Der WDR hat die „Kulturambulanz“, der Saarländische Rundfunk den „Corona Culture Club“ ins digitale Programm gehoben.

Am 7. April startete nun der Bayerische Rundfunk (BR) die „BR KulturBühne“. Sie offeriere den „Künstlern und Kulturschaffenden in Bayern während der Corona-Krise eine digitale Ersatzbühne“, sagt ein Sendersprecher. Laut BR-Intendant Ulrich Wilhelm soll sie zudem „dazu beitragen, den Kulturschaffenden, die vor allem auf die Plattformen der US-Anbieter angewiesen sind, eigene Alternativen zu bieten“.

Die Diskussion ist noch im Gange

Dieser Satz hat einige in der ARD hellhörig gemacht. Der BR, sagen sie, wolle mit der „BR KulturBühne“ vor allem sein sehr starkes kulturelles Digitalangebot ausbauen. Dies sei bemerkenswert, weil die ARD sehr konkret über eine eigene, anstaltsübergreifende digitale Kulturplattform nachdenke. Federführend soll dabei aber nicht der BR, sondern der MDR sein. BR-Intendant Wilhelm lehne das Projekt in seiner derzeitigen Form ab, heißt es in Senderkreisen. Die künftige ARD-Kulturplattform soll übrigens später mit dem ZDF-Angebot ZDFkultur zusammengehen.

Auf Anfrage bestätigt eine ARD-Sprecherin dieses Vorhaben: Der MDR entwickle derzeit für die ARD ein Konzept für eine Kulturplattform. Sie sagt aber auch, die Beratungen innerhalb der ARD dazu seien noch nicht abgeschlossen. Angesprochen auf die Haltung des BR gegenüber einer künftigen ARD-Kulturplattform, verweist sie darauf, dass „die Diskussion dazu … noch in vollem Gange“ sei. In Kreisen des BR wiederum heißt es, die Diskussion über ein neues zentrales ARD-Kulturangebot müsse von den Kulturangeboten getrennt betrachtet werden, die die Anstalten in Eigenregie anbieten.

Ein Telefonat des Intendanten 

Gibt es hier wirklich keine Eifersüchteleien? Dem widerspricht eine Geschichte, die derzeit in ARD-Kreisen die Runde macht. In ihr geht es um ein Telefonat, das BR-Intendant Ulrich Wilhelm mit Oliver Schenk, dem Chef der Sächsischen Staatskanzlei, geführt haben soll. Sachsen ist einer der MDR-Vertragsstaaten. Der Intendant habe den Staatskanzleichef davon überzeugen wollen, dass die vom MDR geplante Plattform sinnlos sei, heißt es. Die ARD-Sprecherin erklärt, sie könne zu dem Telefongespräch „nichts sagen“. Der BR ließ, ebenso wie der sächsische Regierungssprecher, eine Anfrage zu dem Telefonat unbeantwortet.

Es dürfte übrigens kein Zufall sein, dass der MDR bei dem Projekt die Federführung übernommen hat. Der Sender hat erst im Februar mit dem ZDF die gemeinsame Innovations- und Digitalagentur ida gegründet, die „Kompetenzen sowie Ressourcen“ beider Häuser „bei der Entwicklung zukünftiger digitaler Medienangebote effizient bündeln“ soll. Eines der ersten Projekte könnte – rein theoretisch – ein gemeinsames digitales Kulturangebot von ARD und ZDF sein.