Auftritt des britischen Sängers Boy George, Ende der 80er.
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Kein Jahrzehnt sei beliebter bei den Menschen in Deutschland als die 80er-Jahre. Das teilt die ARD für ihr Hauptprogramm nach der Tagesschau vom vergangenen Sonnabend mit. Welches Meinungsforschungsinstitut hat wen befragt? Leute, die nach 1990 geboren sind und heute auch schon eine Weile erwachsen, werden das kaum so empfinden. Aber der Erfolg spricht ja oft für sich. Der Marktanteil der Sendung war gerade bei den 14- bis 49-Jährigen besonders hoch. Neugierig auf das beliebteste Jahrzehnt der Deutschen setzten sich an dem kühlen Sommerabend offenbar ganze Familien vor den Fernseher.

Doch welches Deutschland bildet sich dort ab? In der Mediathek kann man noch ein paar Tage beobachten, was von 1980 bis 1989 in Politik, Musik und Alltag so geschah. Die Grünen wurden gegründet, in Bonn demonstrierte nicht nur die Jugend gegen das Wettrüsten, Nicole sang über ein bisschen Frieden, Jane Fonda brachte Frauen und Männer zum Hüpfen, Blusen waren bunt, Jacken schultergepolstert und die Familien fuhren im Auto nach Italien in den Urlaub.

Leider fehlte sowohl in der Ankündigung als auch in Vor- und Abspann der Sendung der entscheidende Hinweis darauf, dass es sich bei dem dreistündigen Programm einzig und allein um eine Westalgie-Sendung  handelte. „Die Deutschen“ lebten in den 80er-Jahren offenbar nur zwischen Hamburg und München, Köln und Hannover.

Ganz kurz war zu Beginn Erich Honecker beim Bruderkuss mit Michael Gorbatschow zu sehen. Der Wind, den die Perestroika in der Mitte des Jahrzehnts ins stagnierende Ländchen gebracht hatte, verzweifelt abgewehrt von der Staatsführung, der hätte der biederen Show auch einigen Schwung schenken können. Schlimmer ist aber, dass so nachträglich Honeckers Anspruch von der eigenen Nationalkultur der DDR bestätigt wird. Die vom WDR produzierte Sendung zählt nur die Westdeutschen als Deutsche. Ganz wie die Partei- und Staatsführung es lehrte, waren wir im Osten nicht Deutsche, sondern DDR-Bürger.