Am Ende dieses kribbeligen, luftigen Abends namens „Die Aufführung“ bekommt jeder einen Briefumschlag, darin die Einladung zur „großen Eröffnung“. Eröffnet wird eine neue Institution namens „Die Institution“ im September 2015, Ort: „eine ehemalige Begegnungsstätte in der nahe gelegenen Provinz“, und man darf vermuten, dass sich die Sophiensæle selbst damit meinen. Die ersten Skizzen dieser „Institution“ jedenfalls sind nun genau dort zu betrachten und die Aufführung mit dem Titel „Die Aufführung“ ist demzufolge nichts anderes, als die zukünftige „Institution“ selbst. Wie gesagt, kribbelig.

Es findet eine Baustellenbegehung statt, die höchst aufschlussreich ist, denn sie handelt von einem Theater, das kein „Theater“ mehr sein wird, sondern etwas Neues: eine „Institution“ eben, deren Begriff, Ausdehnung und Praxis erst noch zu finden sind: zu finden, zu prüfen, zu verwerfen und wieder neu zu finden im ständigen Prozess. Und genau das passiert bereits in den neunzig Minuten, für die das Performanceduo Herbordt/Mohren eine fantastische Versuchsanordnung der Möglichkeiten und Visionen entworfen hat.

Auf den ersten Blick ist nichts „fantastisch“ daran, allenfalls provisorisch. Klebestreifen auf dem Boden markieren Grundrisse imaginärer Räume, in Kopfhöhe ziehen Seile andere Sichtlinien darüber, und Spanholzplatten bilden wieder andere Wände. Eine Luftarchitektur, an der unaufhörlich gewerkelt wird, während vier Performer die kleinen Gästegruppen diskret begrüßen und mit leiser Stimme Kleinigkeiten zu dem neuartigen Hotel-Museums-Labor-Küchen-Theater in spe erklären. Nach wenigen Sätzen aber verschwinden sie immer wieder, um mit Schritten und scharfen Blicken selbst den Ort neu auszumessen.

Mehrere Kameras dokumentieren das Geschehen, das nach dem Prinzip des Ameisenhaufens zu funktionieren scheint: Im Eingang wächst ein kleiner Kräutergarten, dem man beim Wachsen zusehen kann, im Hinterraum wartet ein Archiv aus Bilder- und Zitaten-Schnipseln, das man durchstöbern soll, ein Koch kocht für Hungrige Suppe und an einem großen Tisch sitzen Wissenschaftler, die jedem interessierten Tischgenossen kleine Vorträge halten. Die „Institution“, so ein Medientheoretiker, sei wie ein „Nähkästchen“: es häufe sich Wissen darin an durch die Kunst der Wiederholung. Ein Kulturwissenschaftler plädiert dagegen für „das Parlament der Dinge“ und gibt einen schönen Geschmack davon, was Blickerweiterung durch Grenzauflösungen aller Art ermöglichte.

Die Kunst der distanzierten Teilhabe jedenfalls musste hier jeder an sich selbst prüfen. Genervt sein konnte man leicht in dem Geschnipsel. Wer sich aber einlässt, auf das Gemurmel, der wird langsam Augen und Ohren bekommen für die Gedankenkerne und Lebensarchitekturen, die hier ausgeworfen werden. Und plötzlich öffnet sich ihm die Welt.

Die Aufführung, nur noch am 2. 11., 20 Uhr, in den Sophiensælen, Tel. 283 52 66