Selbstporträt mit Hund
Foto: © Paul McCartney / Photographer: Linda McCartney

Zur Geschichte, die nach den Beatles kam, gehört die Legende, dass Linda und Paul McCartney seit ihrer Eheschließung im Jahre 1969 bis zu Lindas Tod 1998 keinen einzigen Tag voneinander getrennt waren. Ihr gemeinsames Leben war vor allem auch eine große Liebes- und Familiengeschichte.

Intime Einblicke gewähren nun rund 250 Polaroids, die Linda McCartney über viele Jahre als Nebenprodukt ihrer künstlerischen Arbeit gemacht hat. Die Ausstellung im nach längerer Umbaupause wiedereröffneten CO Berlin im Amerikahaus zeigt Alltagsszenen aus dem Hause McCartney. Kinder, Tiere, Ehemann, durchaus in dieser Reihenfolge.

Eine Standpauke für Stella

Natürlich werden Poparchäologen fündig bei ihrer Suche nach Referenzen und Begegnungen. Ringo Starr und George Harrison sind wiederholt zu sehen, Ron Wood taucht im Bild auf, und wer Suchspiele mag, wird viele berühmte Namen hinzufügen können. „Ihre leidenschaftliche Liebe zur Musik“, schreibt Paul McCartney, „ermöglichte Bilder von Musikern bei der Arbeit und beim Spielen. Der Unterschied zwischen Linda und vielen ihrer Zeitgenossen bestand darin, dass sie wusste, was sie fotografierte, während andere Fotografen und Fotografinnen fragen mussten: ,Wer ist der Sänger?‘ und wie heißt die Gruppe?‘“

Paul McCartney mit Sohn James
Foto: Paul McCartney/Photographer Linda McCartney

Ein Bild zeigt den erhobenen Zeigefinger der Mutter Linda, die der Tochter Stella eine Standpauke hält. Stella fasst sich an die Stirn und scheint uneinsichtig gegenüber der erteilten Lektion. Schnappschüsse, ist man geneigt zu denken, aus der Normalzeit einer prominenten Familie. Aber es war immer auch die Fotografin Linda McCartney, die hier die Kamera hält und manchmal wohl auch an Dritte für Porträts ihrer selbst an andere übergeben hat. „Erst als ich als Fotografin die Kontakbögen durchging“, schreibt Tochter Mary McCartney, „wurde mir klar, wie präzise und zielgerichtet ihr Talent war. Sie konnte aus dem Autofenster heraus einen Moment einfangen, und die Aufnahme war in Bezug auf Blende und Geschwindigkeit perfekt.“

Das Familienprojekt Wings

Trotz aller Beiläufigkeit wird auch für Nichtfotografen deutlich, welch intuitives Gespür die Linda McCartney für Bildkomposition und den richtigen Augenblick des Auslösens hatte. Linda McCartney war eine der ersten Fotokünstlerinnen, die das Potenzial von Polaroids als Medium der Live-Fotografie erkannt haben. Die Gegebenheit, nichts nachbearbeiten zu können, erhöht nur die Intensität der Bilder.

Dass Linda McCartney ihr Familienleben für Nahaufnahmen im buchstäblichen Sinne geöffnet hat, ist kein Zufall. Die Polaroids sind Ausdruck einer Familienerzählung, die bereits in dem Bandprojekt Wings angelegt war. Von der Fachwelt oft despektierlich betrachtet, verweist die Erfolgsgeschichte der Wings nach dem Überbietungswettkampf, in dem sich die Beatles befanden, immer auch auf Aspekte von Geborgenheit und Verletzlichkeit sowie Achtsamkeit und Zuneigung.

Linda McCartney. Vom 7. 3. – 6. 6. Täglich von 11 – 20 Uhr im CO Berlin, Amerikahaus, Hardenbergstraße 22 - 24