Es ist nicht immer leicht, das passende Geschenk zu finden. Besonders, wenn die zu beschenkende Person wählerisch ist oder schon alles hat. Und da die vielen Werbebanner und Kaufhausauslagen auch nicht wegweisend sind, haben wir in der Feuilleton-Redaktion noch einmal auf das Jahr zurückgeblickt und uns die besten Werke rausgesucht, die sich verschenken lassen. Im ersten Teil empfehlen wir Ihnen die schönsten Bücher.

Ein Roman

Taffy Brodesser-Akner: Fleishman steckt in Schwierigkeiten. Dtv, 512 S., 24 Euro

40, Single und plötzlich allein mit Kindern und lustvollen Frauen: Eine herrlich witzige Geschichte über einen New Yorker in der Sex- und App-Crisis. (Nadja Dilger)

Olivia Wenzel: 1000 Serpentinen AngstS. Fischer. 352 S., 21 Euro

Olivia Wenzel ist als Schwarze in Weimar aufgewachsen. In ihrem Debütroman gibt sie ihren traumatisierenden Erfahrungen eine wuchtige Stimme: unkonventionell und eindrucksvoll. (Tomasz Kurianowicz)

Wolfgang Büscher: Heimkehr. Rowohlt Verlag, 200 S., 22 Euro

Die Gattungsbezeichnung ist natürlich gelogen. Büschers „Heimkehr“ ist kein Roman – und doch eine der besten literarischen Veröffentlichungen des Jahres. (Harry Nutt)

Jan Koneffke: Die Tsantsa-Memoiren. Galiani Berlin Verlag, 560 S., 24 Euro

Der Begriff Multiperspektivität ist in aller Munde. Man bemüht sich. Noch nie aber hat man durch die Augen eines Schrumpfkopfs auf zwei Jahrhunderte geblickt. (Susanne Lenz)

Harper Lee: Wer die Nachtigall stört. Rowohlt, 448 S., 10 Euro

Es gibt Bücher, die könnte man einmal im Jahr lesen – dieses gehört auf jeden Fall dazu. Der besonnene, zeitungslesende Atticus Finch ist wohl eine der schönsten literarischen Vaterfiguren. (Maxi Beigang)

Iris Wolff: Die Unschärfe der Welt. Klett-Cotta. 214 S., 20 Euro

Iris Wolff schreibt so anrührend wie aufwühlend über Menschen und Landschaft im rumänischen Banat und in Deutschland, auch über das Erzählen selbst, über Sprache als Schlüssel. (Cornelia Geißler)

Ruth Klüger: Weiter leben. dtv, 288 S., 8,90 Euro

Im Oktober ist Ruth Klüger gestorben. Die unsentimentalen Erinnerungen dieser Überlebenden, die mit elf nach Auschwitz kam und dort in der falschen Schlange stand, enthält dieses für immer lesenswerte Buch. (Susanne Lenz)

Andrea Müller: Du kannst dich jetzt ausziehen, wir rauchen hier nackt. mvg, 224 S., 14,99 Euro

Zweifellos das Buch mit dem originellsten Titel des Jahres. Inhaltlich geht es um die amourösen Irrwege einer alleinerziehenden Mutter jenseits der 40. Rasend komisch, aber Achtung: keine Hochliteratur. (Kai-Hinrich Renner)

Lisa Eckart: Omama. Zsolnay, 382 S., 24 Euro

Die sprachlichen Obsessionen der irrlichternden Kabarettistin sind gnadenlos geschmacklos und unwiderstehlich komisch – für Leser, die auch fragwürdige Ansichten aushalten. (Peter Uehling)

Sigrid Nunez: Der Freund, Aufbau Verlag, 235 Seiten, 20 Euro

„Es ist schwachsinnig-anthropomorph, aber manchmal ist das eben die Form, die Liebe annimmt.“ Die Beziehung zum Hund eines verstorbenen Freundes in einem Satz. Tieftraurig und schön. (Hanno Hauenstein)

Christoph Nußbaumeder: Die Unverhofften. Suhrkamp. 671 S., 25 Euro

Eine deutsche Familiengeschichte mit Schweigen, Schuld, Aufstieg und den Verwicklungen einer verbotenen Liebe vor einem zeithistorischen Panorama. Unterhaltung und Erhellung in einem! Hier die ausführliche Kritik. (Ulrich Seidler)

Mely Kiyak: Frausein. Hanser-Verlag, 127 S., 18 Euro

Bekannt ist Kiyak vor allem für ihre scharfsinnige ZEIT-Kolumne, in diesem Buch erklärt die Autorin feinfühlig, wie sie zum Schreiben kam und wie strapaziös das Frauenbild immer noch sein kann. (Maxi Beigang)


Ein Sachbuch

Helmut Lethen: Denn für dieses Leben ist der Mensch nicht schlau genug. Erinnerungen. Rowohlt Berlin, 384 S., 24 Euro

Der Autor hasst die Selbstzufriedenheit und hat deshalb einen Lebensbericht vorgelegt, aus dem etwas lernen kann, wer sich selbst infrage zu stellen bereit ist. (Harry Nutt)

Anja Caspary: In meinem Herzen steckt ein Speer. Ullstein Paperback, 286 S., 16,99 Euro

Zum Weinen und doch Weitermachen: Die Musikmoderatorin Anja Caspary schreibt äußerst intim über ihre eigene Brustkrebserkrankung und den Tod ihres Mannes. (Nadja Dilger)

Richard J. Bernstein: Denkerin der Stunde: Über Hannah Arendt. Suhrkamp. 141 S., 14 Euro.

Richard Bernstein ist Professor für Philosophie an der New School in New York, wo auch Hannah Arendt lehrte. Diese Einführung erklärt ihr Werk und vor allem, was es so aktuell macht. (Tomasz Kurianowicz)

Andreas Kossert: Flucht. Eine Menschheitsgeschichte. Siedler Verlag, 432 S., 25 Euro

Gerade vom NDR zum besten Sachbuch des Jahres gekürt worden. Zu Recht! Mit Hilfe eines ungewöhnlichen Quellenschatzes lässt einen der Autor erspüren, was es heißt, Flüchtling zu sein. (Susanne Lenz)

Victor Klemperer: Licht und Schatten. Kinotagebuch 1929-1945. Aufbau. 366 S., 24 Euro

Der große Chronist und Sprach-Analytiker des 20. Jahrhunderts war leidenschaftlicher Kinogänger. Seine prägnanten Filmnotizen sind eine Entdeckung. (Cornelia Geißler)

Juan Moreno: Tausend Zeilen Lüge. Rowohlt Berlin, 288 Seiten, 18 Euro

Der Spiegel-Reporter Moreno schildert, wie schwierig es ihm manche Kollegen machten, die Affäre um die frei erfundenen Reportagen ihres Kollegen Claas Relotius aufzudecken. Ein spannendes Buch über ein erschreckendes Kapitel der deutschen Pressegeschichte. (Kai-Hinrich Renner)

Christina Clemm: AktenEinsicht. Verlag Antje Kunstmann, 206 S., 20 Euro

Das Buch beschreibt konkrete Einzelfälle von Gewalt an Frauen, ist dadurch oft unerträglich schwer lesbar und deshalb umso wichtiger. (Maxi Beigang)

Katapult: 102 Karten zur Rettung der Welt. Atlas. Suhrkamp. 203 S., 22 Euro

Gut aufgearbeitete Daten verschaffen Übersicht und helfen bei ideologisch verbrämten Auseinandersetzungen. Lasst uns ein paar Bäume pflanzen! Hier ein Porträt des Verlegers. (Ulrich Seidler)

Robert Pfaller: Die blitzenden Waffen. Über die Macht der Form. S. Fischer. 282 S., 22 Euro

Der Wiener Philosoph streitet geistreich gegen den Inhaltismus der Gegenwart und für mehr Stil im Umgang – in Politik und Kunst. Denn Stil ist das Wesentliche! (Peter Uehling)

Jia Tolentino: Trick Mirror, Harper Collins, 306 Seiten, 12 Euro

Diese Essays sind messerscharfe Gegenwartsanalysen: darüber, was das Internet mit uns macht, wie Feminismus der Zukunft aussieht, wohin der Zeitgeist rast. Dystopisch, hoffnungsvoll. (Hanno Hauenstein)


Ein Buch mit Bildern

David Wagner/Ingo van Aaren: Nachtwach Berlin. Distanz Verlag, 160 S., 111 Abbildungen, 32 Euro

Schöner, nachdenklicher und neugieriger ist noch nie ein Künstlerduo (samt Schildkröte) durch das Berliner Nachtleben gezogen. (Harry Nutt)

Michael Büsselberg (Hrsg.): „Sie wollen uns erzählen. Zehn Tocotronic Songcomics“. Ventil Verlag, 128 S., 25 Euro

Die schönsten Songzeilen der besten deutschen Band - visualisiert und mit Notizen von Zeichnern und Bandmitgliedern versehen. (Nadja Dilger)

Luke Gilford: National Anthem. America’s Queer Rodeo Damiani Verlag, 172 S., 55 Euro

Hier ist homosexuelle Liebe unter Cowboys keine Tragödie mehr wie in Ang Lees Film „Brokeback Mountain“, sondern Dokument eines Ausbruchs in die Freiheit. (Susanne Lenz)

Lars Eidinger: „Autistic Disco“. Hatje Cantz Verlag. 128 S., 30 Euro

Was wäre der Kulturbetrieb ohne Lars Eidinger? Dieser Fotoband zeigt Schnappschüsse des Schauspielers aus seinem Smartphone. Ein verrückter Blick auf die Welt und die Nachtseiten Berlins. (Tomasz Kurianowicz)

Johann Wolfgang von Goethe, Helmut Schlaiß: Italienische Reise, Manesse Verlag, 336 Seiten, 125 Euro

Helmut Schlaiß ist die Stationen von Goethes berühmter Bildungsreise von 1788 abgefahren und hat auf Schwarz-Weiß-Fotografien festgehalten, was der Dichterfürst damals gesehen haben könnte. Ein Buch für Italophile und Goethe-Verehrer. (Kai-Hinrich Renner)

Andreas Steinhöfel: Rico, Oskar und das Mistverständnis. Carlsen, 336 S., 16 Euro, ab 10 Jahren.

Peter Schössows Bilder sind zwar nicht die Hauptsache in diesem Buch, aber mit ihrem Humor passen sie prima zu der lustigen und bewegenden Geschichte über Freundschaft. (Cornelia Geissler)

Christian Werner: Everything So Democratic And Cool, Blake & Vargas, 200 Seiten, 35 Euro

In diesen Fotos verschmilzt Unverbundenes. Portraits von Billie Eilish bis Patti Smith, Bilder zwischen LA und Berlin, Antike und Pop: Eine Collage der Gegenwart. (Hanno Hauenstein)

Nina Freudenberger: BiblioStil: Vom Leben mit Büchern. Prestel, 272 S., 36 Euro

Alle, die Bücher lieben, kennen das: Wohin mit ihnen? Bei Knausgård stapeln sie sich auf dem Sofa, Safran Foers mag es akkurat, ein Laden in Brooklyn sortiert nach Farben. (Maxi Beigang)

Philip Jodidio: Zaha Hadid. Complete Works 1979–Today. Taschen, 672 S., 50 Euro

Ein Glück, dass man nicht mehr die Welt bereisen muss, um einen Eindruck von den unfassbaren Bauten dieser Jahrhundert-Architektin zu bekommen! (Peter Uehling)

Nadia Budde: Eine Woche drin. Pappbilderbuch. Sachsendruck, 13 Euro

Wenn sich bei einer Quarantäne Kakteen, Sofakissen oder Pizzakartons selbständig zu machen scheinen, sollte man nicht gleich panisch werden: Lauter dufte Kumpels mit seltsamen Namen! Hier die ausführliche Kritik. (Ulrich Seidler)


Ein Gedichtband

Elke Erb: Das ist hier der Fall. Bibliothek Suhrkamp, 22 Euro.

Ihr Archiv hat die Büchner-Preisträgerin gerade der Akademie der Künste übergeben. Diese Gedichtsammlung genießt damit schon Klassiker-Status. Formbewusst und formsprengend, gescheit und gewitzt ist diese von den Dichtern Steffen Popp und Monika Rinck besorgte kleine Auswahl aus dem Erb’schen Oeuvre etwas für ihre Anhänger und für Anfänger. Ja, auch Gedichte kann man zu Weihnachten verschenken. (Cornelia Geißler)

Heinz Kahlau: Du. Liebesgedichte. Aufbau Verlag, 119 S., 6,50 Euro.

Er war ein Meister der Verse, niemand schrieb schönere Liebesgedichte als Heinz Kahlau. Im nächsten Jahr ist es genau 50 Jahre her, dass „Du“ in der DDR erschien. Aber, das ist ja das Schöne an der Liebe, sie altert nicht – oder nur sehr schön. Kahlaus Zeilen sind auch 2021 genauso romantisch, melancholisch und berührend wie damals. „Ich liebe dich“ ist dabei ein Gedicht, das man nicht oft genug (vor-)lesen kann. (Maxi Beigang)