Artie Decker (Billy Crystal) verliert seinen Traumberuf als Stadionsprecher einer mittelmäßigen Baseballmannschaft. Der Besitzer des Clubs findet ihn zu alt – Wortgewandtheit und Witz allein genügen den Anforderungen längst nicht mehr. Beim Wort Tweets denkt Artie an Vogellaute; er bloggt nicht, weiß nicht, was Apps sind, und hat auch keinen Lieblings-Angry-Bird. Ausgerechnet dieses Fossil soll nun gemeinsam mit seiner Frau Diane (Bette Midler) seine drei minderjährigen Enkel in einem Haus hüten, in dem alles durch Rechenoperationen gesteuert wird. Eine freundliche Computerstimme verkündet etwa, wenn der Kaffee fertig ist, begrüßt Ankommende namentlich oder schlägt Alarm, wenn der jüngste Spross unbeaufsichtigt in den Garten geht.

Die High-Tech-Villa wird von der einzigen Tochter (Marisa Tomei) und deren Mann bewohnt. Dass Verhältnis zwischen Alice und den Eltern ist gespannt, sie reagiert mit juckendem Hautausschlag auf die bloße Vorstellung eines Kontakts. Als Kind herumreisender und mit sich selbst zufriedener Eltern aufgewachsen, zu Zeiten, als man auch auf Neugeborenenstationen noch rauchen durfte und Kinder insgesamt weniger beobachtet wurden, hat sich Alice zur im Job erfolgreichen Übermutter entwickelt.

Sie kennt jedes „Entwicklungszeitfenster“. Die Kinder bekommen keinen Zucker. Statt zu schimpfen oder zu schreien, wird hier im Streitfall mit der „kühlen blauen Stimme“ kommuniziert.

Autobiographisch motiviert

Billy Crystal hatte die Idee zu der biografisch motivierten Familienkomödie „Die Bestimmer“. Nach der großen Liebe („Harry und Sally“) und der Midlife-Crisis („City Slickers“) verarbeitet er nun also seine Erfahrungen als Großvater. Hoffen wir mal, dass er sich im richtigen Leben die Namen seiner Enkel merken kann! Und obwohl er sogar das Drehbuch von der nächstjüngeren Generation schreiben ließ, liegen die Sympathien in „Die Bestimmer“ eindeutig bei den zunächst heiter überforderten, dann aber intuitiv hilfreich agierenden und lernwilligen Großeltern. Denn wer hätte kein Mitleid mit Heranwachsenden, die unter enormen Erfolgsdruck von einem Termin zum anderen hetzen, dabei aber noch vorbildliches Sozialverhalten an den Tag legen sollen? Verfügen moderne Eltern wirklich über derart wenig gesunden Menschenverstand? Angesichts der Flut von Erziehungsratgebern, Nachhilfe- und Lernangeboten schon für Kleinkinder und den teils absurden schulischen Anforderungen muss die Frage wohl mit Ja beantwortet werden.

Leider schlägt „Die Bestimmer“ aber nicht genug komisches Kapital aus dieser gesellschaftlichen Fehlentwicklung, zu versöhnlich ist der Ton dieses generationenübergreifenden Films. Andererseits geraten Konzepte einer verstehenden Erziehung oder konsequente Gewaltfreiheit vollends zur Karikatur.

Aber wer kann schon sagen, wie viel ursprünglicher Witz der sehr langen Produktionszeit des Films zum Opfer fiel? Fast fünf Jahre scheinen eine ziemlich lange Zeit für einen Stand-up-Comedian wie Billy Crystal. Es wird wohl nicht an seiner altersbedingten Überforderung mit der modernen Technik gelegen haben. Anders als seine Filmfigur befindet er sich auch nicht im unfreiwilligen Ruhestand. Im Sommer wird vielmehr er als Stimme des jungen Studierenden Mike Wazowski in „Die Monster Uni“ zu hören sein.

Die Bestimmer - Kinder haften für ihre Eltern (Parental Guidance). USA 2012. Regie: Andy Fickman, Drehbuch: Lisa Addario, Joe Syracuse, Kamera: Dean Semler, Darsteller: Billy Crystal, Bette Midler, Marisa Tomei, Tom Everett Scott, Bailee Madison u. a.; 105 Minuten, Farbe. FSK o. A.