Es geht betriebsam zu im Haus Freiheitsplatz 3 im Zentrum der nordserbischen Stadt Novi Sad. Im Büro der Stiftung „Novi Sad 2021“ arbeiten junge Leute konzentriert an Laptops und Computern. Das Mobiliar ist funktional und zugleich stylish, wie man sich die Räumlichkeit eines Start-ups irgendwo in Europa vorstellt. Nur noch wenige Wochen sind es, bis Serbiens zweitgrößte Stadt Novi Sad Europäische Kulturhauptstadt wird – als Folge der Corona-Pandemie zeitversetzt um ein Jahr, also 2022 statt 2021. Litauens zweitgrößte Stadt Kaunas und Luxemburgs zweitgrößte Stadt Esch sind ebenfalls ausgewählt.

Spuren der Vergangenheit

Nemanja Milenkovic, der Präsident der Stiftung, empfängt im Konferenzraum. Der 44 Jahre alte Programmmacher kommt schnell auf den Punkt: „Die Botschaft lautet: Für neue Brücken! Es ist ein Appell zu handeln, aber auch eine Vision.“ Novi Sad liegt am Mittellauf der Donau, dem großen europäischen Strom. Es ist die Hauptstadt der Provinz Vojvodina, wo neben Serben mehr als ein Dutzend anderer Nationalitäten leben. Bis 1918 war sie Teil der österreichisch-ungarischen Monarchie, was sie bis heute prägt. Drei Brücken überspannen die Donau. Sie wurden bei den Nato-Bombardierungen im Frühjahr 1999 zerstört, als das westliche Bündnis den damaligen serbischen Kriegsherrn Slobodan Milosevic zur Aufgabe des von Albanern bevölkerten Kosovo zwang. Die Brücken, die inzwischen wieder aufgebaut wurden, stehen auch für das Verbindende, unterstreicht Milenkovic.

Mit einem Budget von 60 Millionen Euro stellt die Stadt mit 340.000 Einwohnern ein ambitioniertes Programm auf die Beine. Abgehandelt werden Themen wie Migration, Frauen in der Kunst, die Zukunft Europas. „Bis Ende 2022 werden wir 5000 europäische Künstler bei uns gehabt haben“, sagt Milenkovic nicht ohne Stolz. Er ist einer der Mitbegründer des Musikfestivals Exit, das seit dem Jahr 2000 besteht. Für das Kulturhauptstadtjahr habe man verlassene Fabriken und Lagerhallen hergerichtet und betriebssicher gemacht. „All das stellen wir der Kultur zur Verfügung.“ Zur Eröffnung am 13. Januar – das Datum fällt mit dem orthodoxen Neujahr zusammen – gestaltet der slowenische Avantgarde-Künstler Dragan Zivadinov ein Open-Air-Spektakel mit dem Titel „Zeniteum“.