Die Fälschung des Gemäldes "Zwei rote Pferde in der Landschaft" von Wolfgang Beltracchi.
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BerlinDer Fall des Berliner Star-Galeristen Michael Schultz ist kein Einzelfall. In der bunten und zugleich dunklen Welt der Künstler und Galeristen wird getrickst, gefälscht und betrogen.

Mit den sinkenden Sparzinsen investieren immer mehr Menschen in Aktien, Immobilien oder Antiquitäten. Aber auch mit Kunstwerken erhoffen sie sich Gewinne. Das ruft auch immer mehr Ganoven auf den Plan – nicht nur gewöhnliche Kriminelle sondern auch dubiose Gestalten aus der Kunst-Schickeria.

Betrugsverdacht gegen Berliner Star-Galerist Michael Schultz

Jüngstes Beispiel: Der Verdacht gegen den Galeristen Michael Schultz (67), einen international bekannten Star der Kunstszene. Bis vor Kurzem betrieb er in Charlottenburg eine renommierte Galerie. Doch dann kamen Polizei und Staatsanwalt und verhafteten ihn.

„Er soll vorgegeben haben, ein Bild von Gerhard Richter aus London beschaffen zu können und dafür fünf Millionen Euro als Vermittlungsgebühr kassiert haben“, sagte Martin Steltner, Sprecher der Staatsanwaltschaft der Berliner Zeitung. „Das Geld soll er jedoch für andere Zwecke verwendet haben.“

Wolfgang Beltracchi ist der bekannteste deutsche Kunstfälscher.
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Zudem wird gegen den Galeristen wegen Urkundenfälschung ermittelt, weil er den Käufer mit gefälschten E-Mails aus London getäuscht haben soll. Das ist der jüngste Fall großer und kleiner mutmaßlicher und erwiesener Betrügereien im Kunstbetrieb – welcher so bunt wie undurchsichtig ist. Ganoven nutzen die Ahnungslosigkeit ihrer Kunden. Im Januar beschlagnahmte die Polizei in einem Auktionshaus in Pankow drei Aquarelle, die angeblich von Adolf Hitler gemalt wurden. Sie waren zum Startpreis von je 4000 Euro aufgeführt. Die Polizei geht von Fälschungen aus. Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen.

Unklare Herkunft von Fälschungen und Kunstwerken

Wie viele Fälschungen und Kunstwerke mit unklarer Herkunft in Auktionshäusern über den Tisch gehen, weiß niemand, da die Geschäfte diskret ablaufen, Einlieferer häufig anonym bleiben.

Prominentes Beispiel ist das des Fälschers Wolfgang Beltracchi, der über Auktionshäuser angeblich verschollene Werke berühmter Maler verkaufte und dafür Etiketten des von den Nazis verfolgten jüdischen Berliner Sammlers Alfred Flechtheim auf die Rückseiten der Bilder geklebt hatte. Der Fälscher gab sich viel Mühe. Doch als er das Gemälde „Rotes Bild mit Pferden“, das angeblich von dem Maler Heinrich Campendonk stammen sollte, ohne Echtheitszertifikat bei einem Auktionshaus einlieferte, kam 2010 der Skandal ins Rollen. Der neue Besitzer, das maltesische Unternehmen Trasteco Ltd., das 2006 das Bild für 2,6 Millionen Euro ersteigert hatte, wollte eine genaue Expertise für sein Bild.

Michael Schultz wurde wegen Verdachts des schweren Betruges verhaftet.
Foto: Ponizak Paulus

Die Chemiker des Berliner LKA untersuchten die Farbpigmente im Spektrometer und stellten fest, dass das Titanweiß erst ab Ende der 30er -Jahre hergestellt wurde. Der Campendonk stammte aber angeblich von 1914. Das LKA konnte schließlich 53 Beltracchi-Bilder als gefälscht identifizieren. Ein falscher Campendonk und weitere „Beltracchis“ hängen heute über dem Waschbecken des Büros von René Allonge, dem Leiter des Kommissariats für Kunstdelikte im LKA.

Etwa 300 Verfahren hat sein Kommissariat jährlich zu bearbeiten. „Das meiste sind Eigentumsdelikte wie Einbrüche und Diebstähle, Unterschlagungen und Veruntreuung“, sagt er. „Der zweite große Komplex sind Betrugshandlungen wie Kunstfälschungen und Urkundenfälschungen.“

2015 fanden seine Ermittler in Rheinland-Pfalz die bronzenen „Hitler-Pferde“, und andere Kunstwerke aus der Reichskanzlei, die 1989 verschwunden und in den Westen geschmuggelt worden waren.

Unrechtmäßige Provision, Verstöße gegen Urheberrecht

Bunte dunkle Welt der Kunst: Gern wird auch bei Verkäufen getrickst. Künstler verkaufen ihre Werke direkt an Galerien vorbei, obwohl sie mit diesen einen Vertrag haben und kassieren so die Provision mit. Immer wieder beschäftigen solche Fälle die Zivilgerichte. Die Berliner Polizei hatte auch schon Fälle von Verstößen gegen das Urheberrecht durch ungenehmigte Nachgüsse berühmter Kunstwerke: Gussformen wurden etwa ohne Erlaubnis der Erben eines verstorbenen Bildhauers für Skulpturen, die es eigentlich nur in limitierter Zahl gab, genutzt, um weitere Stücke herzustellen und zu verkaufen.

Einen ähnlichen Fall gab es 2015, als das Landgericht Stuttgart einen Fälscher verurteilte, der mehr Skulpturen des schweizer Bildhauers Alberto Giacometti verkaufte, als dieser selbst hergestellt hatte. 1000 Stück hatte der Betrüger gegossen, der deshalb über fünf Jahre ins Gefängnis musste.