Damals konnte niemand dem „Großen Trommler“ von 1981, sehen, das hätte für den Maler unweigerlich mit politischem Knast geendet.
Foto: Hans Ticha/VG BIldkunst Bonn 2019/Gal. Läkemäker

BerlinEs sind wahrlich keine Heinzelmännchen bei dieser Wachtparade, die Hans Ticha uns da vorführt. Und es darf nachträglich als Beitrag zum 30. Jahrestag des Mauerfalls gewertet werden. Der seit 1990 nahe Mainz lebende Ex-Prenzlauer-Berg-Maler, zählt mit seiner ironischen, plakativen, polemisch zugespitzten Bildsprache zur Pop-Art. Eine mit speziell politischer Würze.

Dem „Großen Trommler“ von 1981, den damals niemand öffentlich sehen konnte, das hätte für den Maler unweigerlich mit politischem Knast geendet, verpasste er Hammer und Sichel, die Insignien der „herrschenden“ Arbeiter und Bauern-Klasse. Deutlich versah er die Trommel des faustballenden und die Stiefelschäfte schwingenden Wachaufzug-Soldaten mit jenem, stark stilisierten roten Zickzack-Dekor, das auch Oskarchen Mazeraths Blechtrommel zierte. Und so   pointiert reduziert Tichas Form- und Farbstil ist – so verweisstark ist er.

Seine Bilder, Plakate, Grafiken, Siebdrucke und Illustrationen bilden ein Füllhorn an Beobachtungen, an Erinnerungen an das absurde Polit-Theater der verschwundenen DDR, die Aufmärsche, die Militär-Prozessionen, die Parteitage und FDJ- und Pionier-Treffen mit den hohlen Kugelköpfen der Funktionäre und den riesigen klatschenden Händen und Hurra schreienden Mündern der Claqueure. Ticha, der im neuen Jahr achtzig wird, konnte seinerzeit so gut wie nichts aus seinem Atelier öffentlich zeigen, er lebte von harmloseren Buchillustrationen und Gebrauchsgrafiken. Und so scheint sein bis heute gesellschaftskritisches, durchaus auch auf heutige Zeitgenossen zutreffende Bild-Reservoire schier endlos. Wenn der Maler und Grafiker jetzt seine Berliner Schau „ ... und der Zukunft zugewandt“ nennt, dann ist das nicht bloß die süffisante Reminiszenz an eine vergangene Ära, eingedenk der Tatsache, dass Ticha vor 1989 glaubte seine wütenden „P-Bilder“ (politische Bilder) zerstören zu müssen, um sich und die Familie zu schützen.

Welch ein Glück, dass es nicht dazu kam. Heute kann Ticha uns mit der Gelassenheit des Alters und seiner Kunst- und Welterfahrung vorführen, wie er mit den Mitteln der Pop-Art und Propaganda, mit Bezug auf die (LUBOK)-Figurinen der frühen russischen Avantgarde, ebenso auf die Maschinenmenschen eines Fernand Léger oder der Bauhäusler Oskar Schlemmer und Kurt Schwitters nachgerade den künstlerischen Spieß umzudrehen verstand, auch wenn er das meiste seiner Arbeit seit Ende der Siebziger bis zum DDR-Ende erst mal verstecken musste.

Galerie Läkemäker 

Schwedter Str 17.
Bis 14. Dezember, Mi–Fr 14–18/Sa 11–14 Uhr