Berlin Spandau, Zitadelle Spandau.
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BerlinBerlins erste Burg stand in Spandau. Allerdings gab es damals weder Berlin noch Spandau. Und so ist korrekt: Die erste Burg auf dem Territorium des heutigen Berlin stand ungefähr ab dem Jahr 800 im jetzigen Spandau. Bis 920 baute der slawische Stamm der Heveller an der Havel dicht unterhalb der Einmündung der Spree einen befestigten Herrensitz. Er lag auf zwei gut zu verteidigenden Talsandinseln.

Die Slawen, die damals den Berliner Raum bewohnten, waren wahrscheinlich so germanisch, wie die heutigen Berliner slawisch sind. Denn damals waren die vor ihnen hier lebenden Germanen nicht komplett ausgewandert, sondern einige Hiergebliebene hatten sich mit den einwandernden Slawen vermischt.

Heute erinnert zwischen Havel im Osten und Pichelsdorfer Straße im Westen, keine 500 Meter südlich des Bahnhofs Spandau, fast nichts an Berlins älteste Burg. Immerhin trägt seit 1931 zur Orientierung eine Straße den Namen Spandauer Burgwall. Genauer aber gibt der dort gelegene Burgwallgraben Auskunft über die Lage, der in seinem südlichen Teil bis heute Wasser führt. Dieser Flur namens Borgwall ist ein wertvolles Bodendenkmal.

Erstaunlicherweise gibt es sogar ein schriftliches Zeugnis aus der Zeit des Baus dieser Burg. Der arabische Kaufmann Ibrahim Ibn Jacub bereiste Anfang des siebenten Jahrhunderts unsere Gegend und schrieb: „So bauen die Slawen die meisten ihrer Burgen: Sie gehen zu Wiesen, reich an Wasser und Gestrüpp, stecken dort einen runden oder viereckigen Platz ab, nach Form und Umfang der Burg, wie sie sie beabsichtigen, graben ringsherum und schichten die ausgehobene Erde auf, wobei sie mit Planken und Pfählen nach Weise von Bastionen gefestigt wird, bis die Mauer die beabsichtigte Höhe erreicht. Auch wird für die Burg ein Tor abgemessen, an welcher Seite man will und man geht auf einer hölzernen Brücke aus und ein.“ 

Wie sah die slawische Burg in Spandau aus? Die Hauptunterschiede zu den späteren deutschen Burgen oder Festungen war ihr Material und ihre Form: Sie war rund. Ihr Durchmesser umfasste ungefähr 30 Meter, der anderthalb Meter breite Burgwall bestand aus einer Holz-Erde-Mauer. Das waren Holzwände, zwischen die Erdreich geschüttet wurde.

Die benachbarte mit einem Flechtwerkzaun geschützte Siedlung auf der südlichen Insel hatte ein eigenes Tor und eine eigene Brücke zum Festland. Diese Siedlung gab es seit dem Jahr 710, sie hatte ihre wirtschaftliche Hochzeit bis 830 und wurde dann aufgegeben. Aber die Burg auf der nördlichen Insel bestand fort und wurde bis zum Jahr 1000 dreimal erneuert. Schließlich brannte sie ab, wurde überschüttet und am selben Ort entstanden eine neue aus Haupt- und großer Vorburg bestehende Festung, die schon zum Teil als frühdeutsch eingeordnet wird.

Die zweitälteste und viel wichtigere Burg stand mindestens seit 849 in Köpenick. Das jedenfalls ist das Ergebnis der Analyse von gefundenem hölzernen Baumaterial. Zu großer Bedeutung kam diese Burg im 12. Jahrhundert, weil sie bei der Gründung Berlins die Hauptstadt des slawischen Fürstentums der Sprewanen war. Ihr Fürst war ein Mann, der in der Geschichtsschreibung viele Namen bekommen hat, unter anderem Ajax, Jason und Saxzo. Bekannt ist er bis heute als Jacza von Köpenick.