Bundespräsident Frank Walter Steinmeier und Gattin Elke Büdenbender
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BerlinGREGOR MAYNTZ war auf Vorwürfe aus den Straßen rund um das Hotel Adlon vorbereitet. Der Vorsitzende der Bundespressekonferenz und damit Gastgeber des Bundespresseballs erwartete am Freitagabend im eleganten Hotel am Pariser Platz 2300 Gäste zum ersten CO2-neutralen Ball der Geschichte dieses jährlichen Ereignisses. Akribisch waren die CO2-Mengen für die Anreise der Gäste und den Ballbetrieb errechnet und mit Spenden für Umweltprojekte ausgeglichen worden. Angesichts der großen Demonstration von Fridays for Future in unmittelbarer Nähe des Veranstaltungsortes befand man sich unter heftigem Rechtfertigungsdruck. Der rote Teppich des Abends wurde aus alten Fischernetzen und Plastikabfällen, die aus dem Meer gefischt wurden, hergestellt und soll nach dem Ball wiederverwertet werden. Das Motto des Abends „Wandel“ nahm auf, was als Thema auf der Straße liegt.

JACEK LEPIARZ sollte am Ballabend, direkt vor dem Eröffnungstanz, den diesjährigen Preis der Bundespressekonferenz überreicht bekommen. Der Preis für den polnischen Journalisten war als Signal gedacht. Gregor Mayntz: „Wir zeichnen einen Kollegen aus, der nicht gewillt war, sich den Veränderungen der Medien in Polen einfach zu beugen. Wir wollen zum 70-jährigen Bestehen der Bundespressekonferenz ein Zeichen setzen und mit diesem Preis auch diejenigen würdigen, die zunehmend unter Druck ihrer Regierungen stehen und sich mutig für die Pressefreiheit einsetzen.“ Der Preis der Bundespressekonferenz wird seit 2014 auf dem Ball verliehen und soll besondere Leistungen für die Pressefreiheit ehren.

HENDRIK OTTO gibt zu, dass ihm 2015 bei seinem ersten Bundespresseball als Verantwortlicher für das Menü im Saal der Ehrengäste der Schweiß auf der Stirn stand. Das lag an der anspruchsvollen Aufgabe, innerhalb von 90 Minuten 300 Menüs aus einer winzigen Küche auf die Tische zu bekommen. Was durch einen Stromausfall nicht einfacher wurde. Spannend bleibt das für den Sterne-koch – aber nicht mehr ganz so nervenaufreibend: „Ich werde von Jahr zu Jahr ruhiger.“ Diesmal hat Otto ein Herbstmenü kreiert mit einer Rieslingschaumsuppe als Start, einem Tafelspitz als Hauptgang und Pfirsich „Melba“ zum Dessert. Die besondere logistische Herausforderung des aktuellen Ball-Jahrgangs: Alles, was auf die Teller, in die Gläser und zur Dekoration gehörte, musste bis spätestens zum Donnerstag angeliefert werden, weil man wegen der Großdemonstration rund um das Adlon damit rechnen musste, dass Lieferverkehr das Haus später nicht erreichen würde.

Familienministerin Franziska Giffey
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FRANZISKA GIFFEY führte auf der – alphabetisch sortierten – Gästeliste die Abteilung „Bundesregierung“ an, die neben der Familienministerin auch die Ressortchefs für Arbeit, Justiz, Entwicklung, Umwelt und Gesundheit auflistete. Der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte ebenso zugesagt wie Thomas Haldenweg, der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz. Mit Volker Bouffier und Tobias Hans hatten sich die Ministerpräsidenten von Hessen und dem Saarland angekündigt. Das Bundestagspräsidium sollte mit seinen Vizepräsidenten Claudia Roth, Hans-Peter Friedrich und Wolfgang Kubicki vertreten sein. Aus der Riege der Fraktionsvorsitzenden im Bundestag wollten Katrin Göring-Eckart von den Grünen und der Linke Dietmar Bartsch dabei sein.

USCHI GLAS sollte mal wieder in der traditionell kleinen Gästelistenabteilung der Schauspieler der Gast mit der größten Bundespresseball-Erfahrung sein, denn sie tanzte schon in Bonn mit den Granden der alten Bundesrepublik. Andrea Sawatzki und Christian Berkel waren von den Gastgebern am Tisch von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier platziert worden, was als große Ehre gelten darf, aber wohl auch den Tatbestand der Geiselnahme erfüllte, denn von diesem Tisch kann man nicht einfach so nach Lust und Laune aufstehen und sich ins Ballgetümmel stürzen. Ebenfalls auf der Gästeliste: Eleonore Weisgerber, Henry Hübchen, Gesine Cukrowski und Harald Krassnitzer.

Schauspieler Herbert Köfer
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HERBERT KÖFER wird im kommenden Februar 99 Jahre alt. Der Inhaber der Weltrekord-Urkunde für den ältesten aktiven Schauspieler wollte erstmalig zum Bundespresseball kommen und seine Frau Heike mitbringen: „Wir haben vor zwei Wochen beim Landespresseball Mecklenburg-Vorpommern geübt.“ Eigentlich tanzt Köfer gern, aber seine 38 Jahre jüngere Frau bremst ihn aus: „Ihr ist das wohl zu anstrengend …“