Stella Sommer startete mit der deutschen Band Die Heiterkeit, ihr zweites Soloalbum heißt „Northern Dancer“.
Foto: Gloria de Oliveira

Die Songs der Hamburger Band Die Heiterkeit lassen immer einen rätselhaften Rest zurück, obwohl man doch eben noch glaubte, das Schema durchschaut zu haben. Ein lyrisch von Stella Sommer hingehauchter Satz will sich nicht in die vorgesehene Zeile fügen, und die Metaphern wirken wie Widerhaken. Immerhin gewähren sie manchmal einen leichten Wortwitz („Es fällt mir immer auf, es fällt mir immer runter. Kommst du auf mich zu!“). Aber von solchen Direktiven abgesehen ist an Die Heiterkeit kaum etwas heiter außer vielleicht der Lust am gefällig heruntergespielten Hintersinn. Da ist viel Moll im Popprojekt, Die Heiterkeit hat ein Faible für Melancholie, und nichts ist verdächtiger als ein unbeschwert daherkommender Song. Doch selbst das ist möglich bei der häufig wechselnden Formation um Stella Sommer, es gibt neben elektronischem Geraune mitunter auch lässiges Schrammeln.

„Pop und Tod I + II“ hieß ein zumindest durch die Betitelung als bedeutungsschwer ausgewiesenes Konzeptalbum, auf dem das Stück „The End“ eine zweifelhafte Zuversicht ausstrahlte, die noch im Nachhall ins Abgründige tendierte. „Wenn es so weit ist“, singt ein Frauenchoral, „werden wir es wissen. Es kommt immer anders als gedacht.“ Aus solch bedrohlicher Ungewissheit aber wird dann nichts Rebellisches abgeleitet. „Es wird in Ordnung sein“, erklingt es schicksalsergeben. Zwei Alben später ist Die Heiterkeit geschichtspolitisch mit sich im Reinen: „Jeder Tag ist ein kleines Jahrhundert.“

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