Leon Benedens und Paul Seelhorst setzen auf ein optisch wenig ansprechendes Produkt: den Kombucha-Pilz. Das schwabbelige Etwas macht aus Tee und Zucker dank Fermentation ein Super-Getränk, probiotisch und reich an wichtigen Inhaltsstoffen für Darm und Leber. „Die Optik ist kein Verkaufsargument“, sagt Judith Williams, Carsten Maschmeyer spricht von „Qualle“.

Was nach einigen Tagen Fermentationsprozess herauskommt, scheint aber ganz ok zu schmecken, wie die „Löwen“ feststellen. Die Gründer wähnen ihre Firma „am Zahn der Zeit“, weil sich immer mehr Menschen mit gesunder Ernährung beschäftigen und Nahrungsunverträglichkeiten und Allergien weiter um sich greifen.

„Unseriöses Angebot, supertolle Verkäufer“

Leon und Paul stellen sich als „Druide“ und „Alchemist“ vor und pitchen selbstbewusst. Ihr Unternehmen bewerten sie auf fast 10 Millionen – dank eines florierenden Online-Shops. Sie benötigen 950.000 Euro und würden dafür 10 Prozent ihrer Firma abgeben. Sofort werden sie von Frank Thelen ausgebremst, der den Umsatz von einer Million nicht besonders viel findet und die Gründer auf den Boden der Tatsachen zurückbringt. Auch Ralf Dümmel und Dagmar Wöhrl fühlen sich mit 10 Prozent ziemlich abgespeist.

Thelen ist dann aber doch noch nicht raus, sondern will mit Judith Williams investieren – jedoch für 30 Prozent der Anteile. Das passt den sehr selbstbewussten Gründern nicht, und so kommt man nicht überein. „Unseriöses Angebot, supertolle Verkäufer“ fasst Carsten Maschmeyer den Eindruck der Investoren von „Fairment“ zusammen.

„Homeshadows“ – Maschmeyer basht Schattensimulator

Gerd Wolfinger und Roland Huber kommen aus Österreich und wollen für mehr Sicherheit auch in deutschen Haushalten sorgen. Der Projektor „Homeshadows“ simuliert die Anwesenheit der Bewohner durch Schattenwurf und soll so Einbrecher abschrecken. Carsten Maschmeyer weiß, wovon die Gründer sprechen: Bei ihm wurde vor Jahren eingebrochen, Fernseher und Stereoanlage waren weg. „Und dann hast du danach Angst, da zu schlafen“, bestätigt er das Gefühl von Unsicherheit, das Einbruchsopfer immer wieder beschreiben. Aber von „Homeshadows“ würde er sich nicht geschützt fühlen.

„Tolle Idee, aber passt nicht ins Jahr 2019“, watscht Carsten Maschmeyer die Österreicher ab. Er will mehr Technik, wünscht sich eine App, die andere Geräte wie Zeitschaltuhren und TV-Simulatoren mit „Homeshadows“ kombinieren kann. „Antiquiert“, Maschmeyer ist raus. Nils Glagau findet auch, das Gerät sehe nach den 80er Jahren aus. Georg Kofler hält die Einbrecher für viel zu schlau, sie fielen bestimmt nicht auf „Homeshadows“ herein.

Ralf Dümmel ist aber ganz anderer Meinung als seine Kollegen und denkt auch an ältere Kunden. Die Einfachheit, die die anderen Löwen kritisieren, sieht er gerade als Feature. Der Deal über 100.000 Euro für 30 Prozent kommt dann sehr schnell zustande. „Hauptsache, das Produkt führt kein Schattendasein“ kalauert Maschmeyer am Ende.

„Ooshi“ reimt sich auf…

Anders als der Projektor mit 80er-Jahre-Anmutung setzen die Gründerinnen Kristine Zeller und Kati Ernst auf ein zeitgemäßes Produkt – einen Schlüpfer. Dafür haben sie ihre „guten Jobs bei Zalando und McKinsey“ aufgegeben, wie sie verkünden, und wollen die Damenhygiene revolutionieren. „Ooshi“ ist Periodenunterwäsche mit einem Mehrschicht-System, die Tampons und Binden überflüssig macht. Erst wollten die beiden Frauen ihr Produkt „Mooshi“ nennen, besannen sich dann aber noch eines besseren, wie sie erzählen. „Tolle Entscheidung, dass ihr das M weggelassen habt“, seufzt Frank Thelen erleichtert.

Dann ist die Fragestunde der Frauen: Dagmar Wöhrl und Judith Williams wollen wissen, wie die Unterhosen verarbeitet sind, wie der Tragekomfort ist und ob man Nässe spürt. Die Herren der Runde schauen verwirrt und halten sich wohlweislich zurück. „Euer Produkt scheint gut zu sein“, deutet Thelen den überzeugenden Auftritt der Gründerinnen. „Es ist kein Männerprodukt“, fachsimpelt Maschmeyer. „Ich würde das loswerden wollen“, versucht er sich aber in die Lage von Frauen während ihrer Periode hineinzuversetzen und hat seine Zweifel an einer Hose, die den ganzen Tag getragen wird. Er empfiehlt eher eine Frau als Investorin. Wöhrl ist es aber nicht, da auch sie sich „doch irgendwie nicht ganz clean“ mit dieser Unterwäsche fühlen würde, wie sie etwas verdruckst zugibt.

Williams ist dagegen bereit, die erforderlichen 300.000 Euro zu geben – allerdings für deutlich mehr Firmenanteile als 10 Prozent. Den beiden Gründerinnen steigen nicht darauf ein, und so geht „Ooshi“ ohne einen Deal nach Hause.

„Scansation“: „Die laufen mit einer Wasserpistole in einen Atomkrieg“

Die Wirtschaftsmathematiker Leo von Klenze und Andreas Klett sind Tüftler, aber keine Verkäufer. Für die Vermarktung ihres Produkts wollen sie einen „Löwen“ gewinnen. Sie haben ein System erfunden, das Einkaufen wesentlich beschleunigen könnte: Der Kunde macht einfach ein Foto vom Inhalt seines Einkaufswagens, daraus wird automatisch ein QR-Code erstellt, der an der Kasse eingelesen wird. Die Waren müssen also nicht mehr aufs Kassenband gelegt und dann wieder eingepackt werden.

Das klingt erstmal toll, aber die Nachfrage scheint weder bei Supermarkt-Betreibern noch bei Kunden besonders groß zu sein. Dennoch gehen die Gründer von einer hohen Bewertung auf und wollen 500.000 Euro haben. Das kommt bei den „Löwen“ nicht gut an. „Ihr habt zwei Märkte als Kunden, und dann diese Bewertung aufzurufen, finde ich frech“, wird Nils Glagau sauer. Carsten Maschmeyer spricht sogar „sein Beileid“ aus und nennt die Aufgabe, vor der die beiden Gründer stehen, „nicht zu bewältigen“. Klenze und Klett schauen sehr bedröppelt aus der Wäsche und treten ab. „Die laufen mit einer Wasserpistole in einen Atomkrieg“, darf Maschmeyer mal wieder das letzte Wort haben.

Elias findet sich selbst und ein Aphrodisiakum

Elias El Gharbaoui kommt so gar nicht wie ein smarter Unternehmer rüber. Der junge Bornheimer präsentiert sich im Einspieler im Strickpulli und erzählt die Geschichte, wie er auf Selbstfindungstrip um die Welt reiste. In Südamerika fand er aber bei einer Zeremonie von Einheimischen auch den Kakao – und dessen ursprüngliche Wirkung als Allheilmittel, wenn er roh verarbeitet wird. Die Investoren schauen etwas ratlos drein, schlürfen dann aber gern das warme Getränk und packen knisternd die kakaohaltigen „Zauberkugeln“ aus.

Wofür aber soll der rohe Kakao nun gut sein? Nils Glagau will es genau wissen und fragt nach der aphrodisierenden Wirkung. Ja, das sei so gedacht, sagt Elias grinsend. Und belebend allgemein. Wenn es jedoch um das Unternehmerische geht, kommt der sympathische Gründer von „Elimba“ nicht sehr professionell rüber. „Liebenswerte Familienmanufaktur“ nennt Kofler das Unternehmen, das Elias mit seiner Mutter führt. Nils Glagau kann sich aber irgendwie mit Elias identifizieren – er reiste in seiner Jugend auch quer durch Südamerika und begeistert sich für Kakao - und bietet 50.000 Euro für 25 Prozent der Unternehmsanteile. Der Deal kommt dann für 24,9 Prozent Anteile zustande. (cme)