Bei einer Open-Air-Premiere im Arte Sommerkino Kulturforum am Potsdamer Platz wird der deutsche Kinofilm "Die Känguru-Chroniken reloaded" gezeigt. 
Foto: dpa/Jens Kalaene

Berlin - So sieht das also aus, wenn Amüsierwille und Vernunft einander unterhaken und ins Kino schlendern: Fast alle der 400 Besucher des „Arte Sommerkino Kulturforum“ trugen Maske, bis sie in ihren Liegestühlen mit den behördlich vorgeschriebenen Abständen angekommen waren. In Anwesenheit von Regisseur Dani Levy und Hauptdarsteller Dimitrij Schaad wurden  ihnen „Die Känguru-Chroniken“ gezeigt. Das scheint genau der richtige Film zu den gegenwärtigen Zuständen zu sein.

In der kurzen Zeit, in der die Autokinos als erste Amüsierstätten wieder geöffnet haben, sahen schon mehr als 100.000 Besucher den Film über den antriebsschwachen Autor und seinen Untermieter, das kommunistische Känguru. Dani Levy ist dadurch noch längst nicht mit der Pandemie versöhnt: „Die hat meinen Film abgebremst, was eine Schweinerei ist.“ So, wie der im März in die Kinos gestartet war, läge er jetzt wohl zwischen zwei und drei Millionen Zuschauern. Unter den gegebenen Umständen müssen alle Beteiligten aber schon mit den mehr als 700.000, die tatsächlich erreicht werden konnten, zufrieden sein.

Levy hat in der Zwangspause die viele Zeit mit der Familie genossen und an einem Serienstoff geschrieben. Er ist froh, dass jetzt die Freiluftkinos öffnen können: „Ich liebe das! Auch Autokinos mag ich seit meiner Zeit in den Achtzigern in Amerika.“

Dimitrij Schaad muss der Krise dankbar sein, auch wenn sie seinem Film arg zugesetzt hat: „Ich habe durch Corona die Auszeit bekommen, die ich seit Jahren gebraucht hätte. Ich konnte mich um meine Gesundheit, die Familie, Freundschaften, Wohnung, Möbel, Reparaturen kümmern.“ Für sein Seelenheil ist es sicher auch gut, dass sich die aktuelle Zuschauerzahl des Films nachweislich auf Corona zurückführen lässt: „Wir hatten einen fantastischen Filmstart mit 375.000 Zuschauern nach dem ersten Wochenende. Und dann schlossen die Kinos. Das fühlte sich an wie ein Champions-League-Finale, das erst mal damit beginnt, dass das Tor zusammenbricht.“ Die Branche hat registriert, woran er da beteiligt ist. Und reagiert: „Ich habe wunderbare Angebote für dieses und nächstes Jahr und bin wirklich sehr dankbar dafür, dass ich in meinem Alter mit diesem Film so hochgeschossen wurde.“

Deutscher Hörfilmpreis für Alice Brauner

Seit Jahren ist die Filmproduzentin Alice Brauner ein Fan der Verleihung der Deutschen Hörfilmpreise: „Für mich ist das inzwischen eine der schönsten Galas. So liebevoll und humorig moderiert, mit so viel begeistertem Publikum im Saal.“ Dieses Jahr gewann die Tochter von Produzentenlegende Artur Brauner den Preis in der Kategorie Kino für ihren Film „Crescendo“ und prompt fiel die große Gala aus. Die Trophäen wurden den Preisträgern wegen Corona per Post zugestellt: „Das ist so schade, denn die Hauptdarsteller wären so gern zu dieser Ehrung gekommen.“ Für die Berlinerin hat sich das Verhältnis zum Thema Audiodeskription – das ist eine zusätzliche Tonspur mit Erläuterungen für Blinde und Sehschwache, die alles liefert, was der Film optisch vermittelt – in den vergangenen Jahren grundlegend geändert. „Ich lege inzwischen großen Wert darauf. Und schaue mir selbst auch Filme mit Audiodeskription an, weil mir dadurch weniger entgeht, obwohl ich ständig vom Handy abgelenkt bin oder vielleicht gerade bügele.“ Auf die Hörfilmversion ihres jüngsten Kinofilms „Crescendo“ ist die Produzentin besonders stolz: „Die war besonders schwierig zu erstellen, weil in dem Film unsynchronisert in vier Sprachen gesprochen wird, was es schwierig machte, dazwischen Lücken für die Erläuterungen zu finden. Die Musik, die in diesem Film besonders wichtig ist, durfte ja auch nicht komplett zugetextet werden.“

Weitere „ADele“-Trophäen, die Deutsche Hörfilmpreise des Jahres 2020, gewannen: „Die Sendung mit der Maus“ (Publikumspreis), „Play“ (TV), „For Sama“ (Doku) und „Der Krieg und ich“ (Kinder- und Jugendfilm). Den Sonderpreis der Jury ging an „Schindlers Liste“.

Die Aufzeichnung der Verleihung mit den Dankesreden und Musik von Thees Uhlmann ist unter deutscher-hoerfilmpreis.de abrufbar.