Bis es in den Kinos wieder so aussieht, dürfte es noch eine Weile dauern.
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Berlin Am Donnerstag machte eine Meldung die Runde, nach der bald auch wieder Kinos öffnen könnten, in Hessen zum Beispiel. In der aktuellen „Eindämmungsmaßnahmenverordnung“ (!) des Berliner Senats indessen indes heißt es: „Kinos, Theater und Konzerthäuser dürfen nicht für den Publikumsverkehr geöffnet werden.“ In Sachen Film bleibt vieles unklar, nicht zuletzt wegen der unterschiedlichen regionalen Regelungen. Kultur ist Ländersache, und das wird gern demonstrativ gehandhabt. 

Die überstürzten Lockerungen in einigen Ländern zeugen zudem von grassierendem Mangel an Sachverstand. In Hessen  wurde nun ernsthaft verfügt, dass jedem Kinobesucher im Saal fünf Quadratmeter zur Verfügung stehen müssen. Waren die Verfasser dieser Note  jemals im Kino? Von einem koordinierten Vorgehen kann  keine Rede sein – diese aber braucht eine bundesweit verflochtene und gegenseitig abhängige Branche.

Mit der AG Kino gibt es   einen bewährten Interessenverband, mit dem eine stufenweise Regelung abgestimmt werden könnte und müsste. Vorschläge liegen bereits auf dem Tisch. So aber setzt sich bei den  Kinobetreibern das große Rätselraten fort. Zwischen den Kollegen gehen im Netz wilde Spekulationen hin und her. Offizielle Verlautbarungen müssen wie Orakel entschlüsselt werden. Welche Mitteilung bezog sich jetzt wirklich auf  Kinos? Welche Regionen waren jetzt gemeint? Mit welchen Auflagen könnte wann, welcher Spielbetrieb wo wieder aufgenommen werden?

In den Kinos, bei den Verbänden und in der gesamten Branche bleibt die Stimmung erstaunlich gefasst. Niemand drängt auf eine Rückkehr zum Tagesgeschäft um jeden Preis. Weil offenbar das Bewusstsein vorliegt, dass dieser Preis ziemlich hoch sein könnte. Die meisten Kollegen wissen um die Zerbrechlichkeit der offenen Räume, die von ihnen verteidigt werden. Umso beflügelnder sind deshalb Signale von Außen. Stammgäste  rufen an, schicken Mails, machen Vorschläge, spenden Geld. Dies geht meist von Einzelpersonen oder Vereinen aus, die selbst nicht viel haben.

Aber auch Gewinner signalisieren Solidarität. Aktuell gibt es eine Initiative der Macher des Films „Systemsprenger“, der gerade bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises ein Höchstmaß an Trophäen und damit auch Geld einkassieren konnte. Am Sonntag wird der Preisträgerfilm ganztägig zum Tarif von 9,99 Euro online gestellt. Das Besondere an dieser PR-Aktion besteht darin, dass die Zuschauer auf der Webseite der Initiative frei entscheiden können, in welchem Kino sie den Film am liebsten sehen würden. Ein Drittel der Einnahmen kommt dann dem ausgewählten Haus zugute.  Die Kinos können so nicht gerettet werden. Aber das Signal  geht raus an alle: Ja, es gibt uns noch. Und wir machen weiter.

Der Systemsprenger-Kinotag

am 10. Mai unter: https://cvod.de/#/