In kurzer Folge und mit frappierender Unerschütterlichkeit füttert der tschechische Experimentalmusiker, Maler und Objektkünstler Petr Válek seine viel beachteten Social-Media-Kanäle, als wollte er das Internet zum Überquellen bringen. Man sieht ihn, einen Mittvierziger mit blonder struppiger Mähne und überwuchertem Gesicht, mit einer akustischen Gitarre einen Kühlschrank verprügeln. Oder er bedient mit großem Ernst ein selbst gebautes atonales, elektronisch verstärktes Piano: ein schuhkartongroßes Gebilde, in das er unablässig lärmende Objekte fallen lässt, die er mit fünf Hebeln in Bewegung hält und meist wieder hinausschleudert.

Oder er dreht an einem Potentiometer, aus dem ein weit verzweigtes Drahtmyzel durch ein Herrenklosett wuchert, setzt das Gerank elektrisch in Bewegung, sodass in den Urinalen metallene Objekte zu tanzen beginnen und Klimpergeräusche verursachen, als würde da ein Herrenchor nach Noten schiffen. Auf einem anderen Video legt er einen minutenlangen Krach-Slapstick hin, bei dem er versucht, einen Stapel Töpfe aus dem Keller zu holen, und sie immer wieder fallen lässt.

Dann wieder intoniert er einen „Song for all the People in the Universe“, der an längst verschallte Krautrocksessions erinnert, vielen seiner Fans zwar zu „poppy“ ist, aber das Leben von mindestens einem veränderte. Oder er verspricht ein ultimatives Rock-Riff an einem Steinzeitsynthesizer, verheddert sich dann aber im Kabel, wobei er immer wieder das Lampenstativ umreißt – was wiederum schönsten unstrukturierten Krach verursacht, unterlegt vom Frequenzgebrumm der elektrischen Leitung. Meist fabriziert er die Krachorgien allein, manchmal gehen ihm Freunde zur Hand. Es ist eine einzige, nervenzerfasernde Freude!

Selten kann man einen Menschen beobachten, der so eins ist mit seinem Tun und Schaffen. Und schnell rückt einem so ein spielender Mensch ans Herz. Dabei ist ansonsten nicht viel über Petr Válek herauszukriegen. Es scheint ihm nicht daran gelegen zu sein, seine Person in den Fokus zu rücken. Er ist 1976 geboren, lebt in der Nähe von Šumperk, am Fuß des Altvatergebirges und tritt manchmal unter dem Spitznamen Der Marebrechst auf. Wenn man seine Augen zwischen seinen Haaren zu sehen bekommt, funkeln sie einen an und bleiben doch stets auch nach innen gerichtet, als würde er sein Lauschen und Suchen keine Sekunde unterbrechen. Vielleicht ist ein bisschen Pose dabei, mag sein. Aber wenn, dann kann man sie nur als eine Einladung mitzuspielen verstehen.

Eine seiner jüngsten Installationen setzt seinem bisherigen Schaffen die Krone auf, überstrahlt es, rundet es ab und würde doch nicht funktionieren, wenn man sich nicht zuvor seine Wege durch das Válek’sche Krach- und Lärmgebirge gebahnt hätte. Da dreht sich ein Plattenspielermotor, an dessen Welle mit etwas Draht ein Getreidehalm befestigt ist. Der Halm bewegt sich durch ein Pleuel und streift zarteste Kratzgeräusche verursachend mit seinen Grannen über eine Polysterolplatte. Es ist, als würde man in den Schlaf gekrabbelt. Oder über den Styx gerudert.