Sonst ja gerne in Karo: John Fogerty bei einem Open-Air-Konzert 2019 im schwedischen Rättvik.
Foto:  Ulf Palm/Aftonbladet

BerlinMan muss nicht groß rätseln, was sich John Fogerty zu seinem 75. Geburtstag wünscht. Die größte Freude dürfte ihm einen kariertes Flanellhemd machen. Wenn man sich seine Auftritte aus den vergangenen Jahrzehnten ansieht, könnte man annehmen, dass er ein paar Dutzend dieser praktischen Textilien mit vorsorglich hochgekrempelten Ärmeln im Kleiderschrank hängen hat. 

Dieser Tage ist er regelmäßig mit kleinen Hauskonzerten im Internet zu Gast. Begleitet wird er dabei von seinen Söhnen Tyler und Shane an Gitarre und Bass sowie seiner Tochter Kelsey, die eigentlich gerade ihren Highschool-Abschluss macht und nun mit dem Papa auf der Familienfarm in der Nähe von San Francisco festsitzt. Die Sessions mit Traditionals und den Hits seiner Band Creedence Clearwater Revival zählen zum Unterhaltsamsten, was Corona an Wohnzimmer-Konzerten zu bieten hat. Natürlich trägt Fogerty jedes Mal ein anderes Karo.

Strapazierfähig wie seine Hemden sind auch die Lieder des Songschreibers, Gitarristen, Arrangeurs und Produzenten John Fogerty, der mit CCR Ende der 60er-Jahre in den USA erfolgreicher war als die Beatles. Selbst Autodidakten können sie nicht verhunzen. Gerade in ihrer Simplizität, die ja nur eine scheinbare ist, liegt die große Kunst solcher Art von Volksmusik. Wie kein anderer hat John Fogerty den Rocksong bis auf die Knochen abgepult. Es gibt keinen Ton zu viel, weshalb die Stücke auch selten länger als zweieinhalb Minuten sind. Dabei wusste er ein Fantasieland im tiefen amerikanischen Süden zu imaginieren, ein „Bayou Country“, das von seiner kalifornischen Heimat Tausende Meilen entfernt lag. Als er den Mississippi-Dampfer „Proud Mary“ besang, war er selbst noch nicht mal bis zum Anleger in Memphis gekommen.

Video zu: „Have You Ever Seen The Rain“ von Creedence Clearwater Revival

Quelle: Youtube

Zwanzig Top-Twenty-Hits brachte die prototypische Garagenband in ihren nur vier Schaffensjahren zwischen 1968 und 1972 in die Charts. „Bad Moon Rising“, „Green River“, „Down On The Corner“, den Vietnamkriegsprotest „Fortunate Son“ und sein Woodstock-Resümee „Who’ll Stop The Rain“. Dabei hat Fogerty von Anfang an aufs Tempo gedrückt. Nach ihren Debüt 1968 veröffentlichten CCR 1969 gleich drei Platten innerhalb eines Jahres.

Rückblickend sieht es so aus, als habe er früh gegen das Scheitern angekämpft. Das Zerwürfnis mit seinen Bandkollegen, zu denen sein älterer Bruder Tom zählte, war schon bei der Gründung der Schulcombo angelegt. Es ist immer ein Problem, wenn sich Talent und Ehrgeiz nicht gleichmäßig verteilen. Das Lied, das die Trennung besiegelte, ist vielleicht das beste, das er er je geschrieben hat: „Have You Ever Seen The Rain“. Hast du es je an einem sonnigen Tag regnen sehen? Er war nicht glücklich damals und sollte es auch lange nicht mehr werden.

Fogertys Solokarriere wurde fast drei Jahrzehnte lang von einem bizarren, für ihn tragischen Rechtsstreit blockiert. Durch einen Knebelvertrag, den sie als Zwanzigjährige unterschrieben hatten, gingen die Tantiemen für sämtliche CCR-Songs an ihren Labelchef Saul Zaentz, der von den Einnahmen dann immerhin Filme wie „Einer flog über das Kuckucksnest“ und „Der englische Patient“ finanzierte. Fogerty bekam als Autor seiner Hits  keinen Cent. Aber das liegt endlich hinter ihm. Sobald es die Regeln zulassen, wird John Fogerty wieder durch die Welt ziehen und sein Programm abspulen, als wäre der Teufel hinter ihm her. Denn das ist alles, was er immer gewollt hat: „Playin’ in a travelin’ band“.