In einem ihrer ersten Filme, in „Die Liebenden vom Pont-Neuf“ von Leos Carax, spielte Juliette Binoche eine erblindende junge Frau. Sie trug eine Augenklappe, ihre Gestalt wurde von groben Pullovern verhüllt, das Haar fiel ihr tief ins Gesicht. Juliette Binoche begann ihre Laufbahn mit einer Rolle, in der sie ihre Schönheit weitgehend verbarg. Wenig später folgte Louis Malles Film „Verhängnis“, in dem ein Mann über Fünfzig der mehr als zwanzig Jahre jüngeren mysteriösen Schönen verfiel.

Da war Binoche schon eher eine klassische Projektionsfläche – und doch auch wieder nicht. Denn Juliette Binoche behielt in den meisten Rollen eine seltene Autonomie, etwas Uneinnehmbares, das ihr kein Drehbuch stehlen konnte, nicht einmal ein so simples wie das zu „Chocolat“. Inzwischen in einem Lebensalter angelangt, in dem viele Schauspielerinnen, auch Stars, aus dem Filmgeschäft herauskatapultiert werden, entfaltet Juliette Binoche diese Autonomie mit der größten Souveränität. In einer Rolle, die genau besehen eigentlich eine sehr undankbare und abgespielte ist – nämlich die der sehnsüchtigen Frau –, wird sie zur Königin. Einer höchst lebendigen Königin, mit schmerzenden Füßen, verschmiertem Lippenstift und einem mitunter gnadenlosen Humor.

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