Artistinnen während einer Probe  im "Chamäleon" in Berlin.
Foto:dpa/Soeren Stache

BerlinMit dem Konjunkturpaket ist auch die Kulturmilliarde des Bundes nun verabschiedet. Wo genau man wie was davon beantragen kann, ist noch nicht für alle Verästelungen der kulturellen Bedürftigkeit geklärt, um es mal euphemistisch zu sagen. Die FDP, zumindest deren kulturpolitischer Sprecher Hartmut Ebbing, wäre ja für Pauschalen gewesen. Aber es wird, und das ist ja eine gute Nachricht. 

Eine noch bessere für den Augenblick und die privaten Berliner Kulturbetriebe ist, dass es hier schon geworden ist: Im Rahmen der Soforthilfe IV haben Kultur- und Finanzverwaltung gemeinsam mit der Investitionsbank Berlin die im Mai beantragten Hilfszahlungen inzwischen ausgeschüttet. Insgesamt wurden 8,507 Millionen Euro an 77 Unternehmen des Kultur- und Medienbereiches verteilt. Eingegangen waren 182 Anträge, von denen 102 den formalen Kriterien entsprachen. Entschieden wurde dann nach kultureller Relevanz und jeweiliger Not. 

Berücksichtigt wurden nach Angaben der Kulturverwaltung  unter anderem 39 Anträge  von Theatern, Schauspielhäusern und Konzerthäusern, 35 von Clubs, fünf von Varietés und Kleinkunstbühnen und vier von Kinos. Auch das Chamäleon-Theater erhielt 470.000 Euro und kann damit, wie der Geschäftsführer Hendrik Frobel am Telefon sagte, die Kosten für die Monate Juni bis August abdecken. Für die Zeit davor sei allerdings ein sechsstelliger Minusbetrag aufgelaufen, mit Gutscheinverkäufen habe man lediglich 1000 Euro pro Monat erwirtschaften können - und dieses Geld fehle dann auch wieder, wenn es dereinst wieder losgehe.  

Was den Wiedereinstieg in den Spielbetrieb angeht, wünscht sich Frobel von Kultursenator Klaus Lederer  klarere Worte, als sie derzeit zu hören sind. Starttermin, Abstände auf der Bühne und im Publikum sowie die genauen Auflagen stünden noch in den Sternen. Um aber beispielsweise am 1. September den Spielbetrieb wieder aufzunehmen zu können, müsste er, wegen des planerischen und kommunikativen Vorlaufs, heute, zum 1. Juli, wissen, womit zu rechnen sei.   

Statt dessen hat der Senat vergangenen Freitag beschlossen, das Soforthilfen-Programm fortzusetzen und auch auszuweiten. Die Neuauflage der Soforthilfe IV ist, so die Senatsinformation, als Hilfe für Kultur- und Medienunternehmen gedacht, im Falle ausbleibender Bundesprogramme auch für solche mit weniger als 10 Beschäftigten. Hierfür werden 30 Millionen Euro für die Monate September 2020 bis November 2020 bereitgestellt. Eine Option für eine Verlängerung besteht erneut. Außerdem wird es ein Stipendienprogramm im Wert von insgesamt 18 Millionen Euro für zweimal  1000 Stipendien à  9000 Euro für jeweils 6 Monate geben. Zusätzlich stehen für Kunstprojekte im Stadtraum noch in diesem Jahr sieben Millionen Euro zur Verfügung.