Die Mutter meiner Mutter war fünfzehn, als sie ihr Dorf im Osten verließ. Wenn sie ihre Erinnerungen von der Flucht im Frühjahr 1945 erzählt, drehen sich ihre Geschichten vor allem ums Essen: das Ei, das ein Bauer ihr schenkt und das sie mit ihren Brüdern teilt, die grünen Äpfel, die Fredi, der älteste der drei Jungs, einmal aus einem Vorgarten stiehlt, das Stück Brot, das sowjetische Soldaten vom Lastwagen herunterwerfen. Ein Ei, ein Apfel, ein Stück Brot, das waren Delikatessen. An vielen anderen Tagen reißen sie Gras ab oder ein paar Blätter von den Bäumen und trinken das brackige Wasser aus den Pfützen. Sie lernen, dass Giersch und Breitwegerich essbar sind, Sauerampfer aber unbekömmlich.

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