Dessau - Die Stiftung Bauhaus Dessau ist eines der wichtigeren Projekte bundesdeutscher Kulturpolitik, aber auch ein Instrument der Regionalförderung in einem vom Strukturwandel schwer geschlagenen einstigen Industrierevier sowie Teil der städtischen Kulturlandschaft. Ein Spannungsfeld, in dem nun die neue Direktorin Barbara Steiner nach dem Erfolg des Bauhaus-Jahres 2019 neue Wege suchen soll. Gestern stellte sie in Dessau erste Ideen vor.

Seit 2016 war Steiner Leiterin der Galerie für Zeitgenössische Kunst in Leipzig, davor Chefin des Kunsthauses Graz. Nun will sie nach Dessau ziehen, wie sie im Gespräch mit der Berliner Zeitung ankündigte: „Man muss den Ort spüren können.“ Nicht zuletzt deswegen, weil Sachsen-Anhalt plant, sich mit der Stiftung als regionalem Thinktank am neuen europäischen Großprojekt New Bauhaus zu beteiligen.

Land und Bund regieren mit

Spätestens seit dem Skandal um das auf Druck rechter Parteien und der CDU abgesagte ZDF-Bauhaus-Konzert mit der als „linksradikal“ diffamierten Gruppe Feine Sahne Fischfilet 2018 ist klar: Magdeburg und das Berliner Bundeskanzleramt regieren in Dessau mit. Steiner empfindet diesen Druck als Teil ihrer Arbeit: „Er gehört dazu. Und das sind die gewählten Abgeordneten und Minister, mit denen muss man sich auseinandersetzen und diskutieren.“

Daran hapert es offenbar aus ihrer Sicht auch innerhalb des Hauses, es sei „noch Luft nach oben“ für eine stärkere Vernetzung der Abteilungen. In den vergangenen Jahren habe man sich sehr auf den Neubau und die Geschichte des Designs konzentriert, nun seien Themen wie Nachhaltigkeit oder Klimawandel ins Zentrum zu rücken. Das gerade erst eingeweihte Museum soll deswegen überarbeitet werden: „Ich glaube nicht an den Ewigkeitsspeicher.“ Erst einmal denkt sie an „vorsichtige“ Umgestaltungen des Erdgeschosses, das sich zwar mit Riesenscheiben hin zur Stadt öffnet, aber doch zu wenig kommunikativ erscheint.

Steiner ist die erste Kunsthistorikerin im Amt, ihre Vorgänger waren durchweg Architekten. Kein Handicap, meint die erfahrende Ausstellungskuratorin, so entstehen übergreifende Perspektiven. Das Bauhaus sei schließlich zwar auch von Bildenden Künstlern, Designern, Theaterleuten geprägt worden. Diese Vielfalt gelte es weiter zu entwickeln, wie etwa in der aktuellen, äußerst sehenswerten Installation der Berliner Künstlerin Judith Raum mit luftig wehenden, zart bemalten Vorhängen. Sie zeigt die Geschichte der Textilgestalterinnen Otti Berger, die 1944 in Auschwitz ermordet wurde, und Lilly Reich, die im Schatten von Ludwig Mies van der Rohe arbeiten musste. Eine vorsichtige Annäherung an das Thema – so wie sich Barbara Steiner offenbar erst einmal vortasten will.