Viele Menschen hören jetzt mehr Radio - aber die privaten Radiosender haben nichts davon.
Foto: dpa/Karl-Josef Hildenbrand

BerlinIn Krisenzeiten steigt das Informationsbedürfnis der Bevölkerung. Das ist auch während der derzeitigen Corona-Pandemie so. Von der gestiegenen Mediennutzung profitieren Zeitungen, Zeitschriften, Fernsehen, Radio und digitale Medien gleichermaßen. Doch – auch wenn es paradox klingt – nicht alle haben etwas davon.

Weil das Wirtschaftsleben nahezu zum Erliegen gekommen ist, fahren viele Unternehmen ihre Werbeausgaben massiv zurück. Für Medien, die sich fast ausschließlich durch Werbung finanzieren, ist das ein Riesenproblem. So sind die Werbeeinnahmen der privaten Radiosender stark eingebrochen. Nach Angaben von Stephan Ory, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft privater Rundfunk (APR), werden die Werbeerlöse privater Hörfunkstationen im März voraussichtlich um 30 Prozent zurückgehen. Für April und Mai sei auf Basis der bisherigen Buchungen gar mit einem Minus von 60 bis 80 Prozent zu rechnen.

Deshalb hat die APR sowohl der Rundfunkkommission der Länder als auch den Direktoren der Landesmedienanstalten und dem Bundesinnenminister einen Brandbrief geschrieben. Darin wird betont, dass Medienunternehmen „kritische Infrastrukturen“ des Landes seien. Zugleich stünden die Sender extrem unter Druck: „Wir rechnen im April und im Mai mit weitgehend werbefreiem Privatfunk, insbesondere im lokalen und regionalen Markt“ heißt es in dem Schreiben. Kurz: „Eine Reihe von Stationen“ würden „erkennbar in Liquiditätsprobleme hineinlaufen“. Vor diesem Hintergrund bittet die APR die „Länder die Vertriebskosten für … Vertriebswege“ wie UKW und DAB+, „die für eine breite Information der Bevölkerung unerlässlich sind, zu übernehmen“.

Der Appell stieß nicht auf taube Ohren. Mehrere Landesmedienanstalten erkunden derzeit die Verfassung der Sender in ihrem Zuständigkeitsgebiet, um anschließend ihren jeweiligen Landesregierungen Bericht zu erstatten. Diesen Freitag wird die Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten über die Situation der privaten Hörfunksender beraten.

+++

Was macht eigentlich Bild TV, das ambitionierte Fernsehprojekt von Axel Springers Boulevardzeitung? Für das Vorhaben wurden nun vier bis fünf zumeist ältere Berater angeheuert, deren bekanntester auch operativ tätig ist: Der 70 Jahre alte Hans Mahr, bis 2005 in unterschiedlichen Funktionen für RTL tätig, davon zehn Jahre als Chefredakteur, wirkt laut eines internen Organigramms bei Bild TV nun als „Executive Producer“ und „Live Blattmacher“. In Branchenkreisen kein Unbekannter ist auch der Berater Volker Weicker, 62, einst Regisseur bei „Wetten, dass..?“ Mit von der Partie ist mit Duncan Boothby auch ein ehemaliger PR-Berater der US Army.

Das Engagement von Mahr und Weicker überrascht. Beide Herren gelten eher als Vertreter des Fernsehens alter Schule. Dagegen hatte „Bild“-Chefredakteur Julian Reichelt bisher den Eindruck erweckt, als wolle er mit dem weitgehenden Verzicht auf TV-Studios, dem Einsatz von iPhones als Kameras und 18 Stunden Live-Programm das Medium neu erfinden.

Ein Sprecher bestätigt, dass Berater für Bild TV arbeiten, will sich zu Namen aber nicht äußern.