Berlin - Adolf Eichmann hat es geschafft, Josef Mengele auch. Beide kamen über die Rattenlinie nach Südamerika. Auch Otto Wächter versuchte es. Als SS-Gruppenführer und NS-Gouverneur Galiziens war er ein gesuchter Massenmörder, konnte sich aber ab 1945 mit Hilfe seiner Frau Charlotte in den österreichischen Alpen verstecken, ehe er mit Hilfe des vatikanischen Bischofs Alois Hudal letztlich in Rom unterkam.

Welche Rolle die Kirche und im besonderen Bischof Hudal bei der Rettung flüchtiger Nationalsozialisten spielte, versucht Philippe Sands in „Die Rattenlinie – ein Nazi auf der Flucht“ herauszufinden. Um die Rattenlinie geht es übrigens nur nebenbei, Wächter starb noch in Rom. Das jetzt erschienene Buch ist der Nachfolgeband von Sands' Bestseller „Rückkehr nach Lemberg“. Im großartigen ersten Band ging Sands, eigentlich Anwalt für Menschenrechte in London, auf Spurensuche seiner eigener Familiengeschichte vor und während des Zweiten Weltkrieges, verwob diese mit der Entstehung der internationalen Menschenrechte und recherchierte gleichzeitig zu Hans Frank, dem sogenannten Schlächter von Polen. Dessen Sohn Niklas, der sich intensiv und kritisch mit der Rolle seines Vaters auseinandergesetzt hat, machte Sands schließlich mit dem anderen Nazi-Sohn Horst bekannt. Die Gespräche mit Horst und dessen gewaltiges Familienarchiv bilden die Grundlage für Sands' Recherche.

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