Berlin - Das erste Gedicht in Barbara Köhlers ersten Gedichtband heißt einfach „Gedicht“. Anfang 1991 war er unter dem Titel „Deutsches Roulette“ in der Edition Suhrkamp erschienen. „ich nenne mich du weil der Abstand/ so vergeht zwischen uns wie Haut“ lauten die ersten beiden Zeilen, es ist ein Liebesgedicht, in dem die Nähe das Ende der Liebe schon in sich trägt: „eine offene Wunde du nennst mich/ ich wer von uns beiden sagt/ hier hast du ein Messer/ mach meinen Schnitt.“

Der Band versammelt zwischen 1984 und 1989 entstandene Arbeiten. In jener Zeit studierte Barbara Köhler, geboren am 11. April 1959 im sächsischen Burgstädt, am Literaturinstitut Johannes R. Becher in Leipzig. Sie hatte bereits einen Beruf gelernt, Facharbeiter für textile Flächenherstellung in Plauen, im Theater und als Altenpflegerin in Karl-Marx-Stadt beziehungsweise Chemnitz gearbeitet. Nach der deutschen Vereinigung arbeitslos geworden, von der Literatur nicht ausreichend ernährt, entschied sie sich 1994 für einen Neuanfang in Duisburg. Die Nachricht vom Tod Barbara Köhlers nach langer Krankheit am vergangenen Freitag kommt von der Kunststiftung NRW.

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