Berlin - Schrottplätze sind Orte der Vergänglichkeit - zumindest für Autos und sonstiges altes Zeug. Doch manchmal verbirgt sich dort noch ganz anderes. Das ist dann unter Umständen ein Fall für die IEK, die Interdisziplinäre Ermittlungskommission des LKA Berlin, die sich aus Rechtsmedizinern, Kriminalkommissaren und Kriminaltechnikern zusammensetzt und klären will, was in der Vergangenheit tatsächlich passiert ist.

Wie das geht, gibt es nun in der zweiten Staffel der Serie „Die Spezialisten - Im Namen der Opfer” zu sehen, die ab Mittwoch (8. Februar, 19.25 Uhr, ZDF) mit zehn neuen Folgen startet.

Rückblick auf 1990, das Jahr der Einheit: Viele Menschen aus der DDR kauften sich ein Auto. Manche Autohändler machten gute Geschäfte. Einer von ihnen endete in einem seiner Gebrauchtwagen in einer Schrottpresse, zusammengepresst zu einem Würfel. 26 Jahre später wird dieser Würfel als Kunstobjekt bei einer Ausstellung gezeigt. Die Rechtsmedizinerin Dr. Katrin Stoll (Valerie Niehaus) entdeckt darin die Reste menschlicher Knorpel, greift sogleich zur Flex und zerlegt das Kunstwerk mit dem schönen Namen „Blühende Landschaften”.

Dadurch rollt sie mit ihrem Assistenten Rufus Haupenthal (Tobias Licht) und ihren neuen Kollegen, Kriminalhauptkommissar Henrik Mertens (Matthias Weidenhöfer) und Kommissar Benjamin Kuttner (Timur Bartels), eine Familientragödie wieder auf, die längst vergessen schien.

Es gibt ein Wiedersehen mit der Schauspielerin Anita Kupsch (76), die sich zuletzt im Fernsehen („Schöne Männer hat man nie für sich allein”) rar gemacht hat, dafür aber immer noch viel auf der Bühne steht („Harold und Maude”, „Golden Girls”). Hier spielt sie die Betreiberin einer Imbissbude und weint ihrem jetzt tot aufgefundenen Mann - dem ermordeten Autohändler im Schrottwürfel - keine Träne nach: Schließlich hatte er sie damals mit ihrem Sohn Ronny (Adrian Topol) sitzengelassen.

Timur Bartels (21, „Mein Sohn Helen”, „Krauses Glück”) hingegen gibt gerade Gas. Man kennt ihn aus vielen Episodenrollen in Serien wie der „SOKO”-Reihe (ZDF) und natürlich aus „Der Club der roten Bänder” (Vox), wo er auch in der dritten und letzten Staffel wieder eine durchgehende Hauptrolle spielen wird. Der Neue im Team der „Spezialisten” sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Der historische Aspekt der Serie interessiert mich sehr. Ich bin 1995 geboren und hätte die brenzliche Zeit vor dem Mauerfall gerne miterlebt. Das muss eine sehr bewegende Zeit hier in Berlin gewesen sein.”

Er habe selbst einmal davon geträumt, Polizist zu werden. „Daraus ist nun nichts geworden. Aber spielen kann ich das ja! Es gefällt mir aber auch, dass es hier wenig Actionszenen und keine Knallereien gibt, darum geht es in dieser Serie auch nicht.”

Fast das komplette Team der Serie wurde ausgetauscht. Nicht mehr dabei sind die Schauspieler David Rott und Merlin Rose. Henriette Richter-Röhl schied aus, weil ihre Figur der Inka Biehl in der dritten Folge der ersten Staffel verstarb. Valerie Niehaus, Tobias Licht und Katy Karrenbauer als herbe Kriminaloberrätin sind weiterhin dabei. Neu hinzu kommt jetzt - neben dem erwähnten Kommissarsteam - noch Narges Rashidi als Kriminaltechnikerin Samira Vaziri.

Die moderne Serie ist mehr an Fakten als an Emotionen interessiert, legt ein ordentliches Tempo vor - und erinnert dabei ein wenig an US-Serien wie „Cold Case” und „Bones”. Das geht aber in Ordnung. Zwischen den einzelnen Teammitarbeitern geht es jetzt ziemlich routiniert zu, auch wenn jeder aus dem Team sein kleines privates Päckchen zu tragen hat - wovon man aber auch nicht allzuviel erfährt.

Die Schauspieler machen ihre Sache gut, in weiteren Gastrollen sind Ralph Herforth, Birge Schade, Tina Engel, Johann von Bülow und Michael Mendl zu sehen. Der Humor kommt etwas zu kurz, mit Spannung und Logik hapert es bisweilen, doch sind die Drehbücher (der bisherige Headautor Carl-Christian Demke ist weiterhin dabei) clever durchdacht und vom Regisseur Sven Fehrensen glaubhaft umgesetzt. Eine dritte Staffel sollte daher also wohl drin sein. (dpa)