Die amerikanische Autorin Kristen Roupenian
Foto: picture alliance

BerlinDie Woche beginnt optimal: Im Werkraum des Berliner Ensembles lesen heute Sina Martens und Owen Peter Read aus dem Erzählungsband „Cat Person“ von Kristen Roupenian. Die 1982 in Plymouth (USA) geborene Autorin veröffentlichte im Dezember 2017 im Magazin New Yorker die titelgebende Geschichte von der kurzen Beziehung zwischen einer 20-jährigen Studentin und einem 34-jährigen Mann. Der nette Typ ist so nett nicht und die freie Frau auch nicht so frei, wie sie gerne wäre.  
 

Die Geschichte war sofort ein Hit und brachte ihr einen Buchvertrag über mehr als eine Million Dollar ein. Ein Band mit „Cat Person“ und anderen Erzählungen erschien, übersetzt von  Nella Beljan und Friederike Schilbach Anfang des Jahres im Verlag Blumenbar. Die 1988 geborene Sina Martens wurde von den von  der Zeitschrift Theater heute befragten Kritikern 2017 zur „Nachwuchsschauspielerin des Jahres“ gewählt.

Literatur und Gespräch

Einsamkeit im deutschen Osten  
Heinz Bude und Sabine Rennefanz, 16.12., 19.30 Uhr, Schaubühne am Lehniner Platz

Kristen Roupenian: Cat Person  
Lesung von Sina Martens und Owen Peter Read, 16.12., 20 Uhr, Berliner Ensemble, Bertolt-Brecht-Platz 1

Unser West-Berlin!
18.12., 20.30 Uhr, Buchhändlerkeller, Carmerstr. 1

Weihnachtsgeschichte nach Lukas mit Sebastian Koch und dem Organisten Maximilian Schnaus, 19.12, 19.30 Uhr, Zonskirche, Zionskirchplatz

Der 1990 in Sheffield (UK) geborene Owen Peter Read wuchs in Mecklenburg-Vorpommern auf. In der Schaubühne am Lehniner Platz spricht ebenfalls am Montag der in Kassel lehrende 1954 geborene Heinz Bude, einer der prominentesten deutschen Soziologen. Seine Gesprächspartnerin ist die unseren Lesern und Leserinnen bestens bekannte Kollegin Sabine Rennefanz, Jahrgang 1974, die auch eine erfolgreiche Buchautorin ist.

Westen nicht mehr das, was es einmal war

Die Veranstaltung trägt den Titel „Streit ums Politische: Einsamkeit im deutschen Osten“. Wer sich über die Einsamkeit im Westen erkundigen möchte, der wird vielleicht ein wenig davon im Erfahrung bringen, wenn er am Mittwoch in den Buchhändlerkeller in der Carmerstraße einfällt. Es empfiehlt sich aber, wenn man auch etwas sehen möchte, früh zu kommen. Ach so: Vorgestellt wird das Buch „Unser West-Berlin! Geschichten aus der Inselstadt von 21 Autorinnen und Autoren“ (Berlinica Publishing).

Dem Programm des Buchhändlerkellers ist nicht zu entnehmen, wer von den 21 kommen wird. Wird Eva Schweitzer da sein? Harald Jähner? Rosa von Praunheim oder Tanja Dückers? Oder Gerhard Seyfried, der das Cover zum Buch lieferte? Es wird so viel vom Untergang der DDR gesprochen, so viel Tränen werden darüber vergossen, dass einem damit die eigene Geschichte geraubt werde, da ist es ein Gebot der Fairness darauf hinzuweisen, dass der Westen auch nicht mehr das ist, was er einmal war.

Ins Ewige hinreißen lassen

Verluste gehören zum Älterwerden dazu. Nostalgie ist vielleicht nichts anderes als die Sehnsucht nach Zuständen, von denen man glaubte und immer noch glaubt, man hätte sie begriffen, Sehnsucht also nach einer Welt vor der „neuen Unübersichtlichkeit“. Die ist aber in Wahrheit nichts anderes als die endlich gewonnene Einsicht in die schon immer undurchsichtige Gegenwart.

Am Donnerstag kann man sich aus solchen aktuellen politischen Diskussionen wegreißen und – der Jahreszeit folgend – ins vorgeblich Ewige hinreißen lassen. In der Zionskirche am Zionskirchplatz wird Weihnachten vorgefeiert. Der Schauspieler Sebastian Koch liest aus der Weihnachtsgeschichte des Evangelisten Lukas.

Außerdem Texte, die der französische Komponist, Organist und Vogelliebhaber Olivier Messiaen (1908–1992) zu seinem 1935 entstandenen weihnachtlichen Orgelzyklus „La Nativité du Seigneur“ (Die Geburt des Herrn: Neun Meditationen für Orgel) verfasste. Eine knappe Stunde dauert die Musik. Auf YouTube kann man sich ein wenig einhören.

Poesie und Märchen

Über seine Texte zur Musik kann ich nichts sagen. Abgesehen natürlich von Lukas’ Weihnachtsgeschichte. Messiaens Vater übersetzte Shakespeare, seine Mutter erzog ihn, wie er erklärte „in einem Klima von Poesie und Märchen“.

„Das Verhältnis“, so lese ich in Wikipedia, „zwischen Fantasie, Musik, Theater und Religion beschrieb Messiaen später in folgenden Worten: ,Es ist unbestreitbar, dass ich in den Wahrheiten des katholischen Glaubens diese Verführung durch das Wunderbare hundertfach, tausendfach multipliziert wiedergefunden habe, und es handelte sich nicht mehr um eine theatralische Fiktion, sondern um etwas Wahres‘.“ So einfach geht das.