Und so muss Hauptdarstellerin Alexandra Neldel nun ein zweites Mal in die (Quoten)-Schlacht ziehen. Dabei stolpert sie zunächst über die jene dramaturgischen Steine, die das Happy end dem zweiten Teil in den Weg gelegt hat. Bevor „Die Rache der Wanderhure“ ihren Erzählmittelpunkt finden kann, muss zunächst das Glück der Wanderhure zerstört, die Wut der Wanderhure angefacht und der neue Feind der Wanderhure gefunden sein. Gespielt wird sie wiederum von Alexandra Neldel als Ikone einer televisionären Frauenbewegung, die sich zwischen eskapistischer Romantik und handfester Frauenpower nicht entscheiden will. Als äußerlich trutschige, innerlich moderne Landpomeranze Lisa Plenske behauptete Neldel schon in der Telenovela „Verliebt in Berlin“ unwidersprochen, dass immer beides gleichzeitig möglich ist: schön und hässlich zu sein, klug und naiv, verliebt und verachtet, erfolgreich und verzagt. Im lasziv zerrissenen Kleid der Wanderhure konnte Neldel im letzten Jahr an diese postmoderne Backfischphantasie anknüpfen. Diesmal war sie sexy und unschuldig, emanzipiert und vogelfrei, auf den Barrikaden und auf der Suche nach dem privaten Glück.

Mehr als nur eine sagenhafte Emanzipationsgeschichte

Doch wer sich – zumal aus dem Hinterhalt eines quotenschwachen Senders – zehn Millionen Zuschauer erarbeiten will, darf sein Programm nicht allein für ein Geschlecht anbieten. Auch deshalb ist die „Wanderhure“ nicht nur eine sagenhafte Emanzipationsgeschichte, sondern auch voller erotischer Schauwerte. Diesmal nun haben sich die Macher darauf verlegt, neben Marie einen zweiten Handlungsstrang zu entwerfen, in dem Michel als Martial-Arts-Krieger sein eigenes (männeraffines) Abenteuer bestreitet: Von Ruppertus Bleikugel aus dem Hinterhalt vermeintlich tödlich getroffen, verliert Michel in Wahrheit nur sein Bewusstsein. Er wird von einem geheimnisvollen Mongolen aus dem Fluss gefischt und hinter den feindlichen Linien zu einem asiatischen Kämpfer umerzogen. Sat.1 bereitet übrigens schon einen dritten Teil vor. Die Sache muss sich also gut anschauen lassen und am Ende gut ausgehen. Im fiktiven Mittelalter genauso wie auf dem modernen Quotenaltar.

Die Rache der Wanderhure, 20.15 Uhr, Sat.1