Spielen munter am Klavier: die Superstars Yoko Ono und John Lennon.
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BerlinAlle Jahre wieder kramen die Radiostationen die immer gleichen saccharinsüßen Weihnachtshits aus der Kiste. Die meisten sind schrecklich. Ein paar sind jedoch moderne Klassiker geworden. Hier sind die zehn besten:

The Pogues & Kirsty MacColl: „Fairytale of New York“

Das schönste aller Pop-Weihnachtslieder spielt in New York. Dort sitzt an Heiligabend ein irischer Einwanderer in einer Ausnüchterungszelle und weint seiner verlorenen Heimat und seinen geplatzten Träumen hinterher – und seiner großen Liebe, der er einst versprach, sie zur „Queen of New York City“ zu machen. Die holt ihn denn auch am Ende ab – verbunden mit dem Wunsch: „Happy Christmas, you arse, I pray god it’s our last.“

„Fairytale Of new York" von der britischen Folk-Punk-Band The Pogues. Es wurde 1987 veröffentlicht und ist auf dem Album „If I Should Fall from Grace with God" enthalten.

Video: YouTube/The Pogues

John Lennon: „Happy X-Mas (War Is Over)“

John Lennon war eine widersprüchliche Figur: Mal träumte er von einer Welt ohne Himmel und ohne Religion, dann wieder wünschte er der Welt fröhliche Weihnachten und behauptete in einem Interview mit der BBC: „Ich bin einer der größten Fans von Christus.“ Wie sich das zusammenreimt, wusste er vermutlich selber nicht. Und zumindest die Welt aus „Imagine“ ist auch bis heute ein frommer Wunsch geblieben. Dafür sind fröhliche Weihnachten dank der von Phil Spector produzierten Pomp-Arie „Happy Xmas (War Is Over)“ für immer garantiert.

„Happy Xmas (War Is Over)" von Beatles-Kopf John Lennon. Das Lied wurde 1971 veröffenlicht.

Video: YouTube/John Lennon

Jona Lewie: „Stop the Cavalry“

Das beste Weihnachtslied, das nie ein Weihnachtslied war. Gedacht war „Stop the Cavalry“ von seinem Schöpfer Jona Lewie als Protestsong gegen den damals besonders kalten Krieg. Doch einer der wundersamen Zufälle, die es nur im Pop gibt, wollte es, dass der Song am 8. Dezember erschien – dem Tag, an dem der Weihnachtsonkel John Lennon (siehe oben) ermordet wurde. Sogleich hatte die weinende Welt ihren Trauermarsch. Und singt bis heute alljährlich im Dezember: Dub-a-dub-a-dum-dum!

„Stop the Cavalry“ vom britischen Popsänger Jona Lewie erschien im Jahr 1980. 

Video: YouTube/Lewie 

Band Aid: „Do They Know It’s Christmas?“

Bob Geldof von den Boomtown Rats und Midge Ure von Ultravox steckten in der Lebenskrise: Nichts als Müll, Hunger und Not auf der Welt, und sie besingen blöde Montage und die Schönheit von „Vienna“! Da schüttelten sie dieses Lied aus dem Sack, trommelten alles zusammen, was im englischen Pop Rang und Namen hatte – und erfanden den Charity-Rock, die Superstar-Kollaboration und das „Stille Nacht“ des modernen Gutmenschen. Feed the world!

Der Weihnachtsklassiker, der gern gecovert wird: „Do they Know it's Christmas?"

Video: YouTube/Phoneix Rising 100

José Feliciano: „Feliz Navidad“

Bereits 1970 aufgenommen, schlummerte dieses Kleinod mehr als 25 Jahre lang vor sich hin – ehe es Ende 1997 unvermittelt in den britischen Charts auftauchte: eine weihnachtliche Erscheinung, deren Ursprung nicht restlos geklärt werden konnte. Vermutlich war das Interesse am Werk des puerto-ricanischen Musikers José Feliciano jäh angestiegen, nachdem er einen Auftritt in dem schneeverwehten Hollywood-Thriller „Fargo“ hatte. Seit den 2000er-Jahren beehrt „Feliz Navidad“ allweihnachtlich auch die deutsche Hitparade. Eine schöne Bescherung für den Sänger. Und ein Hauch Karibik am Glühweinstand.

Der Weihnachtsklassiker aus Puerto Rico: „Feliz Navidad".

Video: YouTube/Christmas Always TV

David Bowie & Bing Crosby: „Little Drummer Boy“

Bing Crosby und der Thin White Duke? Die göttliche Fügung wollte es, dass Crosbys traditionelle Weihnachtsshow 1977 umstandshalber in London aufgezeichnet werden musste und keiner seiner arrivierten Landsleute die lange Reise machen wollte. Also kam ein unbesungener Redakteur auf die Idee, den Briten David Bowie als Duettpartner von Onkel Bing zu engagieren. Das Ergebnis war ein echtes Weihnachtswunder. Wikipedia listet 82 Versionen von „Little Drummer Boy“ auf, einem von der singenden Trapp-Familie in den 50er-Jahren populär gemachten Weihnachtslied tschechischen Ursprungs. Diese hier ist die mit Abstand ergreifendste.

Zwei Popstars, ein Hit: David Bowie und Bing Crosby  singen „Little Drummer Boy". Erschienen ist die Single im Jahr 1977. 

Video: YouTube/Holyday Favorites

Wham: „Last Christmas“

Ursprünglich hieß das Lied „Last Easter“ und sollte ein Abgesang auf eine enttäuschte Liebe sein. Letzteres ist es geblieben, nur der Titel wurde umgeschrieben, als sich George Michael entschloss, das Ganze auf die B-Seite der Single „Everything She Wants“ zu packen, die im Dezember 1984 erschien. Welcher Radio-DJ auf die Idee kam, die Platte umzudrehen, ist nicht überliefert. Jedenfalls entwickelte sich die bescheidene Weise zum unkaputtbaren Skihüttenklassiker. Das „White Christmas“ der Generation Föhnfrisur.

„Last Christmas" erschien im Dezember 1984 und war auf der B-Seite der Single "Everything She Wants". Für das Pop-Duo ein Hit!

Video: YouTube/Wham!

Die Toten Hosen: „Auld Lang Syne“

Eigentlich ist „Auld Lang Syne“ ein schottisches Trinkerlied. In den Kanon kam es erst, nachdem es in der Schlussszene des Weihnachtsfilms „Ist das Leben nicht schön?“ gesungen wurde – als Insider-Gruß an den aus dem grimmigen Norden Britanniens stammenden Schauspieler Henry Travers, der den trinkfesten Engel Clarence spielt. Wer die Toten Hosen nicht mag – die Straßenmusiker-Combo Pink Martini hat eine herrlich heilsameeartige Version im Repertoire: We'll tak a cup o' kindness yet!

1999 erschien der Weihnachtssong der deutschen Rockgruppe Die Toten Hosen.

Video: YouTube/Die Toten Hosen

Destiny’s Child: „Carol of the Bells“

Dieses ukrainische Volkslied heißt im Original „Schtschedryk“ und erzählt die Geschichte einer Schwalbe, die zu einem Mann fliegt und ihm ein gutes neues Jahr verheißt. Über Migranten kam es in die USA und dort als „Carol of the Bells“ ins Weihnachtsprogramm – nicht zuletzt durch den Einsatz in dem Film „Kevin – Allein zu Haus“. Richtig gefühlsecht ist das Lied eigentlich nur als vierstimmiger Chorgesang. Die drei Mädchen von Destiny’s Child bekamen es trotzdem hinreichend himmlisch hin.

„Carol of the Bells“ von der US-amerikanischen R'N'B-Gruppe. Der Song erschien 2001 und war auf ihrem Weihnachtsalbum "8 Days of Christmas" enthalten.

Video: Destinys Child Radio

Frankie Goes to Hollywood: „The Power of Love“

Frankie Goes to Hollywood waren die Band für die ganz großen Themen der Zeit: Nach Sex („Relax“) und Krieg („Two Tribes“) war zum Abschluss ihres Hit-Zyklus die Religion an der Reihe. Oder die Erlösung. Oder das Heil der Welt. Vielleicht auch alles zusammen – und zusammengehalten von Streichern, Flügelklängen und Holly Johnsons Zeile „A force from above/Cleaning my soul“. Ein bisschen klebrig für die Verhältnisse der Liverpooler Fünferbande – dafür absolut feuerfest: Seit 35 Jahren lässt „The Power of Love“ die Herzen brennen.

Im Jahr 1984 erschien „The Power of Love“. Es war auf dem Album „Welcome to the Pleasuredome" enthalten.

Video: YouTube/zttrecords