Auch in der zweiten Staffel „Bad Banks“ dabei: Jana Liekam (Paula Beer, m.) und ihre Mitstreiter Adam Pohl (Albrecht Schuch) und Thao Hooang (Mai Duong Kieu)
Foto: Fabrizio Maltese

BerlinDas Investment-Banking ist tot. Ein halbes Jahr nach der Krise, die am Ende der ersten Staffel von „Bad Banks“ in den Kollaps der  Finanzwelt geführt hat, sammeln sich in der Frankfurter Zentrale die Überlebenden. Die einstmals besten der bösen Banker gehen  nicht mehr in Hochhaustürmen ihren miesen Geschäften nach, sondern sitzen in einem fensterlosen Kellergroßraum und sind zum Nichtstun verdammt.

Ein paar Tausend Stellen wurden schon gestrichen. Aber ehe auch Jana Liekam (Paula Beer), Adam Pohl (Albrecht Schuch) und Thao Hooang (Mai Duong Kieu) ihr Habseligkeiten in Pappkartons verstauen, denken sie sich was neues aus. Sie ziehen nach Berlin, wo die Global-Invest, das mächtigste deutsche Bankhaus, „diesen geilen Inkubator“ aufbaut. Dort, in kühl-coolem Ambiente, brüten Programmierer aus aller Welt Finanzmodelle aus, die den humanen Faktor fast völlig ausschließen. Sogenannte FinTechs, datenbasierte Finanzdienstleistungen, sind der letzte Schrei der Vermögensbildung und ein interessantes Instrument für die Chefetage. Ein Algorithmus kann da schon mal auf einen Schlag 150 Angestellte überflüssig machen.

„Bad Banks“: Die Serie hat eine unheimliche Faszination

Wer wissen will, wie es mit dem Trio um Jana Likam  in der zweiten Staffel von „Bad Banks“ weitergeht, wird auf  Begrifflichkeiten gestoßen, die den herkömmlichen Bausparer einigermaßen überfordern dürften. Da ist von Robo-Advisern die Rede, von Codern und Start-ups, die schon Geschichte sind, ehe man sich ihre Namen gemerkt hat. Aber selbst wenn man nur rudimentär versteht, wovon die da reden und wie das alles funktioniert, geht von der Serie eine unheimliche Faszination aus. Man spürt, wer gegen wen kämpft, man folgt den Strategien im Kampf um die Macht, erkennt die Waffen, die die Protagonisten gebrauchen, um sich gegenseitig auszustechen. Auch wenn man keine Ahnung hat, was genau ein Derivat sein soll.

Für Oliver Kienle, den kreativen Kopf hinter „Band Banks“, ist dieser Befund nicht neu. Das hat er sogar von seinen Auftraggebern beim ZDF so gehört: „Wir wissen nicht wieso, aber irgendwie ist das voll gut.“ Das ZDF ist mit diesem Projekt durchaus ins Risiko gegangen, schließlich ist sein   Stammpublikum an Reihen wie „Der Staatsanwalt“ gewöhnt, die nicht eben durch ihre Komplexität auffallen.

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Die Quoten waren dann auch nicht ganz so eindrucksvoll wie die Kritiken. „Ich habe ‚Bad Banks‘ für ein Publikum gemacht, das ich genau vor Augen hatte“, sagt  Oliver Kienle bei einem Gespräch in Berlin. „Seriengucker wie mich selbst. Wenn der klassische ZDF-Zuschauer nicht mitkommt, ist mir das scheißegal.“ Mit dem Respekt der internationalen Branche im Rücken kann er sich das Selbstbewusstsein leisten.

„Wenn die Serie meiner Mutter gefällt, habe ich was falsch gemacht“

Und, gefällt sie Ihrer Mutter? „Sagen wir mal so, sie ist sehr stolz auf mich.“ Mit Ende 30 gehört  Kienle zu einer Generation von Autoren und Regisseuren, für die sich die Grenzen zwischen Kino, Fernsehen und Serie längst aufgelöst haben. Es geht um eine Geschichte und deren optimale Realisation.

Bei „Bad Banks“ lautete die Aufgabe der Produzentin Lisa Blumenberg, von einer  jungen Investmentbankerin zu erzählen, die in den Strudel der Finanzkrise gerät. Und dann begann die Recherche. „Der theoretische Teil war sehr anstrengend für mich“, sagt Kienle, ich bin  nicht gut im Rechnen, ich habe nicht BWL studiert und hatte zur Finanzwelt keinen Zugang.“ Es dauere bei ihm immer ein paar Drehbuchfassungen, bis er verstehe, was das alles mit ihm zutun habe. Bei „Bad Banks“ kam dieser Moment, als ihm klar wurde, dass es nicht bloß um Banker gehe, sondern  um Süchtige, um Workaholics.

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„Ich bin auch süchtig nach meinem Beruf.“ Damit konnte er was anfangen. „In einer Besprechung habe ich mal beiläufig gesagt, das ist wie bei meinem Vater, der hat sich auch totgearbeitet.“ Das ist für ihn der Kern: „Ich versuche zu begreifen, warum sich Menschen totarbeiten.“ Der Rest ist Handwerk. Bei einem so großen Ensemble braucht jeder seine Vita, seinen Charakter, seine Daseinsberechtigung.

„Bad Banks“: Die dritte Staffel ist noch nicht gewiss

Kienle ist es gelungen, selbst Nebenfiguren wie den Leiter der Finanzaufsicht BaFin mit einem Alleinstellungsmerkmal auszustatten. Das war eine Arbeit, die sich über Jahre hingezogen hat. Umso frustrierender war es für ihn, als er in Rezensionen lesen musste: „Christian Schwochow erzählt in seiner Serie …“ Schwochow war der Regisseur der ersten Staffel.

Erzählt hat  Oliver Kienle. „Ich empfinde mich eigentlich als ziemlich uneitel“, sagt er, „aber wenn es um geistiges Eigentum geht, bin ich empfindlich.“ Bei der Fortsetzung hat Christian Zübert die Regie übernommen, was aber nichts mit eventuellen Dissonanzen zutun hat. Christian Schwochow war anderweitig beschäftigt. Ob es eine dritte Staffel geben wird, ist noch nicht raus. Kienle wird stark von Netflix umworben. „Sag uns, was du brauchst, du kriegst es.“  Wie in der bösen Bank.