Dieter Hallervorden mit Geburtstagstorte bei der Ankunft auf dem roten Teppich zur Premiere von „Gottes Lebenslauf“.
Foto: imago images/Ralf Müller

BerlinWas kann man noch spielen, wenn man im Fernsehen bereits lange ein Star ist, als „Didi“ unsterblich wurde, unzählige Kinofilme gedreht, zahlreiche Figuren auf der Bühne verkörpert, sämtliche Auszeichnungen vom Bambi bis zum Deutschen Filmpreis abgeräumt hat – und jetzt 85 Jahre alt wird? Für Dieter Hallervorden blieb nur die Rolle als der liebe Gott höchstpersönlich übrig.

Dieser ist in dem Stück „Gottes Lebenslauf“ von Jean-Louis Fournier zutiefst gelangweilt von „ewig der gleichen Leier“ im Himmel. Und nun? Er beschließt, sich einen Job auf der Erde zu suchen – und landet vor dem Schreibtisch eines Personaldirektors (Peter Bause), der ihn tagelang auf seine berufliche Eignung prüft. So knapp wie komisch geht es dabei um die Weltgeschichte mit ihren Höhen und Tiefen und vom Turmbau zu Babel bis zur EDV, sprich „Ende der Vernunft“.

Gottes trockener Humor

Gott tauscht mit dem Papst WhatsApp-Nachrichten aus und stöhnt, als das iPhone streikt: „Mit angebissenen Äpfeln hatte ich schon immer Probleme.“ In der Regie von Frank Lüdecke, der das Stück auch mit Hallervorden und Arnulf Rating textlich bearbeitete, lassen die beiden Darsteller im Schlosspark-Theater keine Gelegenheit zu Scherz, Ironie und rustikaler Religionskritik aus. Mal auf der leicht möblierten Bühne, mal in kleinen Filmen von Axel Martin kann man Gottes trockenen Humor von allen Seiten bewundern, auf die der Personalchef mit polymorphen hysterischen Schüben reagiert.

Trotzdem verbringen sie einmal einen gemütlichen Abend mit reichlich Alkohol, der in einem fröhlichen Männertanz auf offener Straße endet. Weil ihn an seiner Kirche extrem viel stört, ist Gott wohl längst ausgetreten, zahlt jedenfalls keine Kirchensteuer. Selbst der Teufel kommt als „Fehler im System“ zu seinem Recht, denn Gott will nicht an allem schuld sein, was auf der Erde schiefläuft. Für den Komödianten Dieter Hallervorden ist das ein schöner Anlass, in das heitere Geläuf des Abends ein paar ernste Momente einzufügen.

Dieser knurrig-amüsante, pessimistisch-resolute Senior mit Silberlocken, Bart und Anzug greift manchmal sogar zum Mikrofon und singt vor psychedelisch flackernden Videowänden, wobei ihn drei blonde Langhaarengel als luftiger Background-Chor umschwirren. Der Abend ist ein gut gemachter, harmloser Spaß, in dem Dieter Hallervorden, kongenial von Peter Bause mit steilen Pointenvorlagen versorgt, dem Alter souverän ein Schnippchen schlägt. „Ich überleb’s“, schmettert er am Schluss mit Gloria Gaynors Disco-Hit „I Will Survive“. Und es scheint, als dehne sich die Zeit da wirklich ins Unendliche aus. Der Himmel muss warten.

„Gottes Lebenslauf“, bis 18.10., Schlosspark-Theater, Tel.: 789 56 67-100