Mainz - Vor fünf Jahren startete das ZDF auf den Frequenzen des Dokukanals seinen Digitalsender ZDFneo als Experimentierbühne und Alternative für die 25- bis 49-Jährigen. Im vergangenen Jahr kam das teuerste öffentlich-rechtliche Spartenprogramm erstmals auf einen Marktanteil von über einem Prozent.

Sie präsentieren gerade im Webspecial „Neomomente“ Höhepunkte aus den vergangenen fünf Jahren – etwa den „Straßenchor“, „Bambule“, „Herr Eppert sucht“ oder das „Neo Magazin“. Doch wenn man ins Tagesprogramm schaut, findet man ZDF-Serien wie „Hallo Robbie“, „Die Rettungsflieger“ oder „Soko Leipzig“, dazu diverse Kochsendungen. Wie passt das zusammen?

Wir haben ein limitiertes Budget und nutzen deshalb den Programmstock des ZDF. Die Sendungen sind bei unserer Zielgruppe der 25-49-Jährigen immer noch stark nachgefragt – auch die „Topfgeldjäger“ oder „Hier kommt Kalle“.

Viele Zuschauer dürften die besonderen Neomomente eher in der Mediathek finden – wie stark ist der Anteil der Online-Abrufe?

Das kommt auf die Sendung an. So wird das „Neo Magazin“ zu 20 Prozent über die Mediathek abgerufen – der übliche Anteil liegt bei zwei Prozent. Das zeigt, dass unsere Zielgruppe dem neueren, zeitunabhängigeren Konsumverhalten viel offener gegenübersteht. Doch die gern verbreitete These, dass die lineare Nutzung des Fernsehens aussterben wird, hat sich bislang nicht bestätigt. Der tägliche Fernsehkonsum ist seit Jahrzehnten stabil – und zwar in allen Altersgruppen. Auch die Netflixe dieser Welt leben bisher von den Programmen, die für das lineare Fernsehen produziert worden sind.

Sie haben 2013 mit ZDFneo ein Prozent Marktanteil erreicht, wie sieht die Entwicklung in diesem Jahr aus?

2014 liegen wir bei 1,3 Prozent beim Gesamtpublikum, zwischen 0,8 und 0,9 bei den 14.49-Jährigen – das wäre immerhin ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr um ein Drittel.

ZDFneo ist mit einem Jahresetat von knapp 40 Millionen Euro das mit Abstand teuerste öffentlich-rechtliche Spartenprogramm – sind da Ihre Marktanteile nicht ernüchternd?

Ich finde, wir erreichen mit den 30 Millionen, die wir vom Etat ins Programm stecken können, extrem viel. Wir geben das Geld nicht nur für Lizenzen aus, sondern haben in den fünf Jahren über 70 Programmideen realisiert, darunter längere Staffeln, etwa von „neo Paradise“, „nate Light“ und dem „Neo Magazin“. Eine Produktion wie „Ausgekokst“ mit Rainer Meifert, die unter hohem Sicherheitsaufwand in Kolumbien gedreht wurde, ist natürlich teurer als eine Straßenumfrage. Dinge, die uns wichtig sind, wollen wir auch so umsetzen, dass sie attraktiv sind. Echte Recherche ist nun mal teurer als Scripted Reality.

Die soll es bei Ihnen weiterhin nicht geben?

Nur als Persiflage, wie bei „Diese Kaminskis“, die am nächsten Mittwoch starten. In der Mediathek können Sie sich gleich die komplette Staffel anschauen.

„Diese Kaminskis“ ist eine der ersten fiktionalen Serien auf ZDFneo. Waren solche Formate bislang zu teuer?

Eigene Fiction ist für uns der nächste große Schritt, für den wir uns bewusst Zeit gelassen haben. Wir haben den diesjährigen Wettbewerb TVLab fiktional ausgerichtet und werden die Gewinner „Blockbustaz“ mit Eko Fresh produzieren. Im nächsten Frühjahr wird eine Polit-Sitcom „Eichwald MdB“ starten, im Herbst soll eine Drama-Serie folgen. Wir hatten uns in den letzten Jahren auf das „Factual Entertainment“ konzentriert, um eine eigene Handschrift zu entwickeln. Daraus haben sich die „Social Factuals“ entwickelt – ein neo-eigenes Genre.