Vor dem Umbau: das Logo der Stiftung Preußischer Kulturbesitz.
Foto: dpa

In der Unterhaltungsindustrie, Sektion Fußball, hat sich das Prinzip der Interimslösung bewährt. Wenn ein Wunschtrainer nicht zu haben und eine akzeptierte Alternative nicht zu finden ist, lässt man immer häufiger den Co-Trainer weitermachen. Bayern München hat auf diese Weise sogar das „Triple“ gewonnen – Meisterschaft, Pokal und Championsleague. Hans Flick gehört als ewiger zweiter Mann nun in den erlauchten Kreis derer, denen das gelungen ist.

Der zweite Mann des Berliner Kulturbetriebs heißt Joachim Jäger, er soll bis auf weiteres kommissarisch als Direktor der Nationalgalerie der Staatlichen Museen fungieren. Vor gut einem Jahr war es als kulturpolitischer Paukenschlag aufgefasst worden, dass der bisherige Direktor Udo Kittelmann angekündigt hatte, seinen im Oktober auslaufenden Vertrag nicht verlängern zu wollen. In der Zwischenzeit ist aus einer Personalfrage ein drängendes Strukturproblem erwachsen.

Die Sprachregelung „bis auf weiteres“ dürfte eine sehr lange Zeitspanne umfassen. Denn mit dem Plan von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU), einen Komplettumbau der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) vorzunehmen, steht auch die Frage im Raum, wie überhaupt die Führungsstruktur der Staatlichen Museen zu Berlin gestaltet werden soll. Da ganz nebenbei der deutsche Kulturföderalismus umgekrempelt werden muss, dürfte die Kittelmann-Nachfolge eines des geringsten Probleme von SPK-Chef Parzinger und Staatsministerin Grütters sein. Seinen Posten wird es in der Form bald nicht mehr geben. Udo Kittelmann ist ein debatten- und entscheidungsfreudiger Impresario. Schade, dass er geht. Schlimmer als diese personelle Vakanz aber, ist das Fehlen einer streitbaren Stimme im wohl größten Reformprojekt der deutschen Kulturlandschaft der Nachkriegsgeschichte.