Kassel/Berlin - Die Direktorin des Berliner Gropius Baus, Stephanie Rosenthal, hat sich „ganz begeistert“ von einem ersten Rundgang über die documenta gezeigt. Sie sei mit hohen Erwartungen gekommen, sagte Rosenthal der Deutschen Presse-Agentur in Kassel. Zu sehen sei, „dass eine Ausstellung auf so einem hohen Niveau in so einer Kollektivität entstehen kann.“

„Viele hatten wohl so ein bisschen das Gefühl, dass man vielleicht gar nichts oder wenig sieht.“ Das sei aber nicht der Fall. „Man sieht wirklich, wie gut kollektives Arbeiten funktionieren kann.“ Das sei visuell attraktiv und mit sehr viel Liebe installiert.

Die documenta gilt neben der Biennale in Venedig als wichtigste Präsentation von Gegenwartskunst. Kuratiert wird sie in diesem Jahr vom indonesischen Kunstkollektiv Ruangrupa. 14 Kollektive, Organisationen und Institutionen sowie 54 Künstlerinnen und Künstler präsentieren bis zum 25. September ihre Werke an 32 Standorten.

Rosenthal, 2019 Juryvorsitzende der Kunstbiennale in Venedig, zeigte sich „sehr überzeugt, weil man merkt, dass es eine gemeinsame Geisteshaltung gibt“. Die documenta sei eine sehr einheitliche Ausstellung geworden, was erstmal erstaunlich sei. „Man hat wirklich das Gefühl, dass hier zusammengearbeitet wurde und es ein gemeinsames Interesse gibt.“

„Ich finde es eine fantastische Arbeit, sehr gut installiert und auch ein gutes Gemisch zwischen Künstlerinnen, von denen man noch nie gehört hat und großen Namen, die aber nicht als Marketingnummer verwendet werden.“ Als Beispiel nannte Rosenthal den Ausstellungsort Ottoneum, wo nach der „Cheescoins“-Arbeit des Kollektivs Inland Hito Steyerls „Animal Spirits“ zu finden sei. Steyerl zählt zu den international wichtigsten Künstlerinnen. „So große Namen, die könnten ja auch oben vorne stehen“, sagte Rosenthal, die zum 1. September als Direktorin zum Guggenheim Abu Dhabi Project in die Vereinigten Arabischen Emiraten wechselt.

Die Grundprinzipien des Kollektivs ruangrupa, wo es um das Gemeinsame, um einheitliches Verteilen gehe, werden gut umgesetzt. „Auch die Tatsache, dass alle Arbeiten verkauft werden und das Geld in einen gemeinsamen Pott geht - es ist toll, dass das funktioniert in unserer Welt, wo wir so angetrieben sind vom Kapitalismus.“

Diese documenta sei auch ein Beispiel, „wie viel man mittels Kunst lernen kann über andere Länder, andere Perspektiven, Missstände - nicht nur im Ausland, sondern auch bei uns“. Aus Sicht von Rosenthal wird es Besucherinnen und Besuchern relativ leicht gemacht, sich mit schwierigen Dingen auseinanderzusetzen. „Das Empowerment von anderen Kulturen in Deutschland wird deutlicher, etwa die Kritik auch an Deutschland oder an uns Deutschen als Individuen, wie wir diskriminieren.“ Rosenthal sagte: „Man muss sich damit konfrontieren, was in der weißen Gesellschaft passiert und wie rassistisch wir in Deutschland sind.“